Lang genug hats gedauert, doch jetzt ist es endlich durch.

2018 habe ich einen Verschlechterungsantrag gestellt, es gab eine Erhöhung von 80 auf 90, doch das Merkzeichen H wollte mir unser Amt für Schwerbehindertenangelegenheiten nicht geben.

Den Widerspruch habe ich alleine geschrieben, tagelang habe ich rumgetippt, um meine Situation verständlicher zu machen.

Dem Amt wars egal, dass ich gebettelt habe, man möge mir den weiteren Stress ersparen, mich mit dem Klageweg ankämpfen zu müssen.

Widerspruch abgelehnt!

Ich bin zwanghaft beim Schreiben, ich sitze da wirklich tagelang vor dem Laptop, recherchiere, lese, tippe, korrigiere, optimierte, lösche, stelle Absätze um, lese wieder… Leg mich hin und stehe wieder auf und setz mich wieder ans Laptop. Es ist echt ein Drama, denn mein Adrenalinspiegel ist immer schön weit oben. Aber ich muss das tun, bis mir jemand sagt, es ist gut… Und die Texte ausgedruckt und in den Briefumschlag gesteckt und weggeschickt werden. Aber oft mache ich diese Briefe auch wieder auf, weil ich es nochmal optimieren muss.

Kontrolle haben zu müssen, um sich nicht hilflos zu fühlen und Sicherheit zu haben, ist schon mega anstrengend.

Die Klageschrift habe ich 2019 natürlich auch selber verfasst, ohne Anwalt, ohne VdK… Dem SauVerein habe ich ja zu der Zeit grade die Kündigung geschrieben, weil sie mich mit dem OEG so im Stich ließen…

Allerdings hatte ich etwas mentale Unterstützung von einem ähnlich Betroffenen, der auch im Klageverfahren für das Merkzeichen H steht und der mich mit Gesetzestexten und anderem versorgt hat.

Und jetzt kommt der Kracher:

Das Amt begründete das Verlangen auf Abweisung der Klage bei Gericht damit, dass ich ja gar keine kognitiven Einschränkungen haben könne, wenn ich doch alleine derart ausführliche Klageschriften verfassen könne.

Ich war entsetzt, dass das Amt so engstirnig und uninformiert meine Fähigkeiten bewertete und damit sogar ärztliche Diagnosen in Abrede stellte. Psychisch Kranke müssen gefälligst einen geringen IQ haben, wo kämen wir denn hin, wenn ein Traumaopfer noch Intelligenz unterm Pony hat.

Ohne Scheiss, ich war wirklich geschockt und megafrustriert.

Da lasse ich schon im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen runter, erzähle all meine Probleme und Einschränkungen im Alltag… Und das Amt will mir das H nicht geben, weil ich noch zu wehrhaft bin und einen Brief am Laptop schreiben kann?

Dezember 2019 hat auf Anordnung des Gerichts eine Begutachtung durch eine Pflegefachkraft hier bei mir zuhause stattgefunden. Nach der telefonischen Terminabsprache habe ich echt schwarz gesehen für die Begutachtung, weil die Dame am Tekefon nicht grade vor Freundlichkeit sprudelte und sehr kurz angebunden war.

Wie die Begutachtung war, kann ich gar nicht sagen, ich war zu oft weggebeamt. Und vor dem Ergebnis hatte ich echt Schiss.

Als die Post mit dem Gutachten endlich kam, war ich sehr aufgeregt… Doch vollkommen umsonst, die Frau hat wirklich erkannt und verstanden, mit welchen Problemen ich hier Tag für Tag kämpfen muss, um meinen Alltag zu bewältigen.

Dem Amt war das übrigens egal, die haben sich erstmal noch geziert und dann kamen die Verhandlungen, wie auf dem Basar.

Ok, GdB 90 ab Antragstellung und das H ab Gutachten, weil sich ja später anscheinend eine Verschlechterung eingestellt habe.

Nein… Darauf habe ich mich nicht eingelassen… Ich habe das abgelehnt!

Von mir nicht korrigierte Ungenauigkeiten in alten Klinikberichten und Pflegegutachten haben mich ja genau in diese Situation gebracht. Denn das Amt hat sich explizit an diesen Fehlern hochgezogen.

Es hat sich vor allem nix justamente zum Zeitpunkt des Gutachtens verschlechtert… Es war echt eine Frechheit, sowas zu behaupten, obwohl genug Unterlagen vorhanden waren, dass der Scheiss schon viele Jahre besteht.

Diesesmal wollte ich alles richtig haben:

  • Eine korrekte Wiedergabe meines Gesundheitszustandes
  • Ein Urteil als Manifest für mich und andere Betroffene

Es gibt nämlich keine Urteile von Traumaopfern, die „nur“ Psyche haben und das Merkzeichen H begehren. Die Meisten scheitern ja schon beim B und G.

Ich habe mich gefühlt wie beim Pokern… All in!

Gewinnen oder Verlieren!

Dank Corona hat sich die Urteilssprechung ordentlich verzögert, doch vorletzte Woche war der Umschlag endlich im Briefkasten.

Boah, mein Herz… Ich war soooooo aufgeregt, ich hab das sogar in einem Video festgehalten…

Da das Urteil natürlich erst rechtskräftig wird, wenn das Amt nicht in Berufung geht, habe ich bis heute weiterhin gezittert.

Doch heute war es dann soweit, das Amt hat mir den neuen Schwerbehindertenausweis und den Bescheid zugesendet.

Eigentlich wollte ich das Urteil und den Schriftverkehr für alle hier frei zugänglich machen, doch ich habe etwas Angst, dass ich dann wieder Probleme mit dem Amt bekomme.

Wir machen es also etwas anders…

Sollte jemand von Euch das Merkzeichen H beantragen und muss in den Widerspruch gehen, dann schreibt Ihr mich bitte an und ich stelle Euch das Urteil zur Verfügung für die Ausarbeitung der Klageschrift.

Ich hoffe, damit ist Euch dann der Weg geebnet für einen positiven Ausgang.

Eure Rapunzel mit hart erkämpften GdB 100 H,G,B,RF