Die Bloggerin Illanah hat was Interessantes zu Klassentreffen gepostet, da fällt mir gleich meine Schulzeit ein und weshalb ich Klassentreffen verweigere.


Nachdem ich das einzigartige Vergnügen hatte, innerhalb von 2 Tagen 2mal eingeschult zu werden, landete ich am 2. Schultag gleich in der 3. Klasse….und das für ganze 4 Jahre.

Neee…nicht die Schulklasse ist gemeint, sondern mein Status als Mensch Dritter Klasse.

Zur Klosterschule in der Altstadt musste ich fortan gehen…eine katholische Schule, die aufgrund des Einzugsgebietes viele Kinder der „Von und Zu´s“ aufnahm…und auch die Kinder des Kinderhortes in der Innenstadt hatten aufgrund der Lage das „Privileg“.

Hort muss für die Mamas der anderen Klassenkameraden wohl das Tor zur Hölle gewesen sein…oder lag es daran, dass Scheidungen damals in den 70ern noch ziemlich verpönt und wahrscheinlich ansteckend waren? Oder gar uneheliche Kinder? OhGottohGott!

Da noch ein Mädel aus dem Kinderhort mit mir das Alleinerziehenden-Schicksal teilte, wurden Gabi und ich natürlich für die nächsten 4 Jahre Leidensgenossinnen, denn die Atmosphäre an dieser katholischen Schule war nicht sonderlich christlich.
Ich bin übrigens evangelisch, meine Oma musste unterschreiben, dass ich trotzdem am katholischen Religions-Unterricht teilnahm. Und jeden Mittwoch gings in die Kirche nebenan zur Messe und während die anderen das Abendmahl kredenzt bekamen, durfte ich, zugegeben neidisch, von der harten Kirchenbank aus zugucken. In dem Alter dachte ich nur, die anderen bekommen was besonderes zu essen und zu trinken und ich nicht.

Auch die Lehrerinnen besudelten sich nicht grade mit Ehre, was uns beiden Mädels betraf. Wir konnten uns melden, bis der Arm abfiel, wir kamen selten dran…Vortritt hatten die Kinder bessersituierter Eltern.
Meine Oma hat zigmal bei der Klassenlehrerin auf der Matte gestanden, damit sich das ändert, doch es hielt immer nur kurze Zeit. Trotzdem mochte ich unsere Klassenlehrerin.

Auch auf Klassenfahrten schliefen Gabi und ich selbstverständlich zusammen in einem Zimmer. Und auch in der Freizeit unternahmen wir viel miteinander.
Beim Sport waren wir diejenigen, die immer zuletzt in die Mannschaft gewählt wurden, so war fast jede Sportstunde eine Demütigung für uns beide.

In den ganzen 4 Jahren wurde ich nur ein einziges Mal ( im letzten Schuljahr) von einer anderen Klassenkameradin zum Geburtstag eingeladen….aber nur unter der Prämisse, dass Gabi nichts davon erfuhr. Ich gebs zu…ich bin stillschweigend zu dieser Party gegangen, fast alle anderen Mädchen und Jungs aus der Klasse waren auch da und ich habe mal für ein paar Stunden in eine komplett andere Welt geschaut. Es war die Party von 2 Mädels aus unserer Klasse, die am gleichen Tag Geburtstag hatten. Es wurde extra ein Raum angemietet für die Feier und es waren keinerlei Aufsichtspersonen im Raum.
Dort habe ich zum ersten Mal Meterspagetthi gegessen…mit den Händen! Und es gab eine Negerkuss- Schlacht.
Der Raum sah hinterher aus wie ein Saustall und ich möchte nicht wissen, was der ganze Spaß damals gekostet hat.
Aber danach kam ich mir vor wie ein Verräter an meiner Freundin Gabi und schwor mir, niemals wieder so einen Verrat zu begehen,.

Und einmal dufte ich ein anderes Mädchen nach der Schule besuchen und dort auch schlafen. Das Mädel trug die Nase so hoch, dass sie auch Schwierigkeiten mit dem Anschluss an die Klassengemeinschaft hatte…darum war ich für kurze Zeit ein angenehmer Notnagel. Ein interessanter Tag bei einer Tochter „von“ in einer riesengroßen Wohnung…. und eine kühle Nacht, die schliefen immer mit offenem Fenster. Ich habe mir den Hintern abgefroren.

Die Schule bestand aus 2 Gebäuden und während unsere Klasse im Haupthaus im obersten Stockwerk in der Aula war, befanden sich die Toiletten im anderen Gebäude auf der anderen Seite des Schulhofs…im Kellergeschoss mit Zugang von Aussen.
Somit war der Weg für uns sehr weit zum Klo und da ich auch Schiss hatte, alleine dort hinzugehen, hatte ich oft eine nasse Buxe.

Gabi hat mein Kopfschaukeln übrigens stoisch ertragen, wenn wir zusammen in einem Raum geschlafen haben.

Ein einziges Mal haben wir uns getraut zu schwänzen…keine Ahnung warum, war einfach eine spontane Idee….ich weiß nichtmal, wer von uns auf diesen Mist gekommen ist…und natürlich sind wir aufgeflogen.wp_20160920_002

Da ich nicht dumm war und trotzdem sehr gute bis gute Noten ablieferte, bekam ich die Qualifizierung für das Gymnasium…und die Wege von Gabi und mir trennten sich allmählich.

Wiedergesehen haben wir uns dann bei einem Klassentreffen 1994.
Die ehemalige Klassenlehrerin hatte mir die Einladung direkt zu meinem Arbeitsplatz bei Douglas gebracht. Sie war dort Stammkundin.

Und Ihr werdet es ahnen…dieses Klassentreffen war für Gabi und mich nur eine Wiederholung an Unsicherheit und Benachteiligung. Es war ein emotionales Fiasko.
Wir saßen alleine an einem Tisch in unserem ehemaligen Klassenraum, teilweise wurde uns nichtmal Hallo gesagt von den Anderen.
Es gab eine Diashow von Fotos aus unseren 4 Jahren Schulzeit…und auch auf diesen Bildern war deutlich zu sehen, dass wir Aussenseiter waren damals. Wenn wir überhaupt mal auf Bildern waren. Denn bei vielen Klassenveranstaltungen in der Freizeit waren wir nämlich gar nicht dabei, z.B. Sommerfeste auf Privatgelände von anderen Eltern oder auch bei der Klassenlehrerin zuhause.

Gabi ist als erste aufgestanden und total gefrustet rausgegangen, ich bin dann hinterher gelaufen. Alleine wäre ich bis zum bitteren Ende sitzengeblieben.
Der Rest des Klassentreffens fand dann wie gewohnt ohne uns statt und wir sind in der City was Trinken gegangen.

Als ich das nächste mal meine Klassenlehrerin bei Douglas als Kundin hatte, habe ich ihr (auch im Namen von Gabi) mitgeteilt, dass sie zukünftig davon absehen solle, uns  wieder zu einem Klassentreffen einzuladen.
Damals als Kinder hatten wir keine Wahl, aber als Erwachsene müssen wir uns nicht mehr als Menschen Dritter Klasse behandeln lassen.