15 Wochen LWL-Klinik vollstationär… das sind 107 Tage bzw. 2568 Stunden.


Eine lange Zeit….3 Jahreszeiten habe ich jetzt aus meinem Klinik- Kleiderschrank ausräumen müssen. Und einiges davon passt mir nicht mehr…
Rapunzel hat nämlich dank der regelmäßigen Mahlzeiten und Unmengen an überlebenswichtigen Süßigkeiten, die mein Prinz regelmäßig tütenweise anschleppen durfte, nochmal satte 8 Kilo zugelegt.
Und einige Mitpatienten haben auch daran mitgewirkt, dass jegliche Mäßigung der Kalorienzufuhr spontan verschoben wurde….mit leckeren Dips und Kräckern, Chips, Flips frischem Popcorn und Schokikram….vor allem beim Public Viewing der Fussball- EM vor dem Stationsfernseher.

Ok…die Antidepressiva haben meine Fressattacken auch gut unterstützt…. und meine Verdauung lahmgelegt, aber das ist ein anderes Thema 😉 Datt wollt IHR nicht wissen!!!

Lustigster Spruch in dem Zusammenhang am späten Abend von Mitpatientin zu Pflegerin:
“ Die Rapunzel ist jetzt nicht mehr verstopft, dafür aber das Klo“
Mehr schreibe ich dazu jetzt nicht…

Zwischendurch kam in den vielen Wochen aber auch immer wieder mal wieder die Frage auf, welches Genie sich für Kotzaktionen die Nierenschale als ultimative und einzigste Lösung im Klinikalltag ausgedacht hat. Das ist genauso blöd wie die kleinen Kotztüten im Flieger. Nundenn…Rapunzel zweckentfremdet dafür bei Übelkeit gerne den Mülleimer.

Da ich auf einer offenen Station mit verschiedenen Krankheitsbildern war, war es ziemlich lehrreich zu erfahren, womit andere Patienten sich rumärgern müssen.
Manien, Schizophrenie, Psychosen…es war wirklich alles vertreten.
Und auch mit diesen Betroffenen würde ich nicht tauschen wollen, denn mit dieser Art von Erkrankungen machen sich diese Menschen nämlich in kürzester Zeit ziemlich unbeliebt im Umfeld. Selbst ich bin da schnell an meine Grenzen von Verständnis und Toleranz gestoßen.

Und es verlangt auch dem Stationspersonal eine Menge gute Nerven und Diplomatie ab, alle Krankheitsbilder im Stationsalltag unter einen Hut zu bringen und dafür zu sorgen, dass jeder Patient auf der Station sicher und gut aufgehoben ist. Und wenn endlich alles gut läuft, gibt’s schon wieder Patientenwechsel und das ganze geht von vorne los.
Kein Bett wird kalt.
Der Krankenstand bei Pflegern, Therapeuten und Ärzten war für mich jedenfalls ein Anhaltspunkt, wie sehr sich diese Menschen im Schicht-Dienst aufreiben.

Ich hatte nicht viel zu meckern, was wirklich selten vorkommt.
Es war nicht immer alles optimal und auch ich habe meine Lieblingspflegepersonen und mochte einige weniger als andere, doch das ist menschlich.
Der Oberarzt verdient in meinen Augen jedenfalls einen Orden, ich habe noch nie einen so engagierten und patientennahen Doc erlebt…und einer seiner besten Sprüche war:
„Nicht alles ist krank, manches ist einfach nur schlechtes Benehmen!“

 

 

 

Die Zeit in der Klinik war jedenfalls lehrreich für mich, auch wenn ich natürlich nicht geheilt in meinen Turm zurückgekehrt bin. Der Doc hat mir vorgeschlagen, Intervall-Therapie zu machen, wenn ich möchte, damit ich vielleicht auch mal die Chance bekomme, in einer Trauma- Klinik aufgenommen zu werden.

Die größte Klinik- Weisheit für mich ist:
Nicht das Umfeld ist schuld an meinen Ängsten und Stress-Momenten…sondern meine Gedanken, die Situationen gefährlicher machen, als sie es sind.
Damit ich das nicht vergesse, habe ich mir Katastrophen-Pläne auf Karten geschrieben, die ich oder meine Begleitung bei Stress vorlesen werden.
Und die Zeiten, wo es mir „gut“ geht, sollte ich zukünftig für die kräftezehrende Therapie nutzen und nicht immer erst halbtot auf allen Vieren in der Klinik oder beim Doc angekrabbelt  kommen.

Meine Aufgaben für zuhause sind klar gesteckt:
Regelmäßige Tabletteneinnahme üben, ambulante Therapie weiterhin forcieren, mich öfter meinen Ängsten stellen und vor allem auch kleine Erfolge würdigen.
Und ich werde diesesmal versuchen, die Freundschaften, die in dieser Zeit entstanden sind, auch zu pflegen und nicht erkalten zu lassen.
Und natürlich gibt’s da auch noch das Positiv- Tagebuch, welches ich weiter füllen möchte.

Der ersten Einträge sind heute  schon geschrieben…
Die mir am meisten ans Herz gewachsene Mitpatientin hat sich heute schon bei mir telefonisch gemeldet und ich habe fast 1 Stunde zuhause alleine verbracht und den aufsteigenden Stress gut regulieren können.
Dafür habe ich meinen Katastrophenplan eingesetzt und es hat funktioniert!

Ich finde, das ist ein guter Anfang…

Eure Rapunzel