Oh, damit tue ich mich sehr schwer.
Ich habe da keine Erfahrung,
gehe ich doch jetzt selbst erst diesen Weg.


Der Antrag liegt hier…
ich bin im Mai bei der Suche nach Betroffenen-Foren über das OEG gestolpert und habe den Antrag im August ausgedruckt in einem Moment, wo ich mutig war…
in der Wohnung meines Partners …in Bochum…
Quasi als Startschuss, diesen Weg in Angriff zu nehmen und es nicht wieder zu verwerfen.

Dieser Antrag ist für mich ein Riesenschritt.
Denn mit diesem stelle ich all das auf den Kopf, was ich an Selbstbild seit meiner Kindheit von mir habe und gleichzeitig hebe ich die Schutzmaßnahme für meine Familie auf.

Ich bekenne mich dazu , Opfer zu sein…und nicht die Schuldige.
Allein den Satz jetzt hier zu schreiben, lässt mein Adrenalin hochschießen.

Ich habe keinen Kontakt mehr zu meiner Familie…
Das innere Leiden und Schweigen hat es mir immer schwer gemacht, mich als Familienmitglied zu sehen. Und die Familie hat auch nichts dazu beigetragen, dass sich das ändert.
Das war der einfachste Weg für alle Beteiligten.
Schweigen… das haben sie von mir verlangt!

Ich habe sie geschützt! Jahrzehntelang!
Vor der Wahrheit! – Vor der Realität!
Und mich dabei vergessen. ..

Fast ein halbes Jahrhundert lang habe ich mich als Schuldige und Aussenseiterin gesehen und das muss ein Ende haben.

Ich weiß, dass es nicht leicht sein wird, dass ich als Opfer im Antragsverfahren zum Opferentschädigungsgesetz anerkannt werde.
Die Verfahren dauern oft trotz eindeutiger Sachlage jahrelang…
Gutachten – Gegengutachten, Widersprüche, Klagen vor Gericht…
Davon zeugen hunderte Beiträge Betroffener im Internet.

Wie immer in diesem Land wird großzügig etwas angeboten, aber ungerne bewilligt.

Trotzdem werde ich es versuchen!
Ich werde es tun, um für mich einen Status Quo herzustellen!
Und ich weiß, ich werde die nächsten Jahre deswegen oft leiden.

Ich muss unangenehme Fragen zum Tathergang beantworten…
Denn da ich keine Zeugen habe, werde ich mich wahrscheinlich einem Glaubwürdigkeitsgutachten stellen müssen.

Es gehen eventuell Briefe in Teile meiner Familie raus.
Dann bin ich wieder die Schuldige und Unbequeme und werde mich verteidigen müssen.

Der Antrag wird vielleicht abgelehnt…
Für mich als Opfer höchstwahrscheinlich eine schlimme Erfahrung und Bestätigung, dass ich weniger wert bin als die Täter oder dass man mir nicht glaubt.

Aber ich werde es tun und hoffentlich auch in der Lage sein, das bis zum Ende durchzuziehen und an der Aufgabe zu wachsen statt daran zu zerbrechen
Ich muss jetzt lange Zeit sehr mutig sein…

Das Opferentschädigungsgesetz ist natürlich nicht dafür gedacht, dass ich mein Selbstbild ändern möchte, es hat eigentlich fürsorgende Maßnahmen als Grundgedanken.
Von denen habe ich besonders die Sachleistungen im Auge, damit ich mehr Unterstützung im Alltag bekommen kann.

Umfang und Höhe der zu erbringenden Leistungen richten sich grundsätzlich nach den auch für die Versorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen geltenden Regelungen des Sozialen Entschädigungsrechts, das unterschiedliche Einzelleistungen vorsieht:

  • Heil- und Krankenbehandlung, die weitergeleistet wird, so lange die gesundheitlichen Folgen der Tat fortbestehen;
  • Heil- und Hilfsmittel (Medikamente, Prothesen, Zahnersatz, Brillen usw.);
  • Rehabilitationsmaßnahmen;
  • Anspruch auf eine monatliche Rente, falls dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigungen bestehen (Höhe gestaffelt ab einem anerkannten Grad der Schädigungsfolgen von 30 bis 100); sie wird unabhängig von Einkommen und Vermögen des Antragstellers bezahlt sowie jährlich an die Entwicklung in der gesetzlichen Rentenversicherung angepasst;
  • Anspruch auf zusätzliche einkommensabhängige, monatliche Rentenleistungen, wenn sich die gesundheitliche Störung negativ auf das Einkommen ausgewirkt hat;
  • zusätzliche Leistungen, z.B. Hilfen zur Weiterführung des Haushalts, Hilfe zur Pflege bei wirtschaftlicher Bedürftigkeit;
  • ergänzende, meist einkommensabhängige Leistungen der Kriegsopferfürsorge bei besonderem Bedarf, z.B. Hilfe zur Pflege, ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt.

Mit Grad der Schädigung ist nicht der GdB gemeint, der beim Schwerbehindertenausweis erteilt wird…da kommts öfter mal zu Missverständnissen.

Wenn Du auch diesen Weg gehen willst, kannst Du das alleine machen oder Dir Unterstützung bei Sozialverbänden oder Vereinen wie dem Weißen Ring e.V. holen.
Doch was immer die Dir auch sagen oder raten… Jede Entscheidung liegt bei Dir!

Den Antrag auf OEG ( Opferentschädigungsgesetz) findest Du online, wenn Du „Antrag OEG“ googelst. Je nach Bundesland sind die zuständigen Institutionen verschieden.

Und alle wichtigen Infos zu Voraussetzungen , Versagensgründe,  etc. findest Du hier

Eure Rapunzel


Ich werde hier ab und an dokumentieren, wie der Stand der Dinge bei mir ist.

August 2015

Der Antrag ist ausgedruckt und ich habe schon meinem Namen eingetragen..der Anfang ist gemacht.
Zusätzlich habe ich alles an Unterlagen rausgesucht, was ich zum Belegen meiner Biografie und den Tatzeitpunkten finden konnte.
Alte Meldebescheinigungen, Bilder, Adoptionsunterlagen, Klinikberichte,etc.
Da mir Unterlagen fehlen, habe ich Jugendamt, Amtsgericht, Kinderheim telefonisch kontaktiert.

Und weil ich so unruhig und gestresst war, habe ich auf Empfehlung meines Freundes alles Wichtige in einem Ordner abgeheftet.
Jetzt habe ich das Gefühl der Kontrolle wenigstens etwas zurück.


September 2015

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Ok..ich gebs zu…
Seitdem ich den Antrag ausgedruckt habe, dreht sich hier alles nur noch darum…
Ablenkung und Regulierung schaffe ich nur durch das Schreiben in diesem Blog.
Andere Dinge haben im meinem Kopf grade keine Daseinsberechtigung…
meine Kapazitäten sind voll ausgeschöpft mit diesem Thema.

Und natürlich sind Laune, Stabilität und Körperliche Verfassung wesentlich schlechter geworden. Ich schlafe kaum noch, bin fast die ganz Nacht wach und schlafe erst in den Morgenstunden ein.
Ich habe keinen Appetit oder Durst und die Übelkeit verstärkt sich wieder und ich bekomme wieder Krämpfe im Kiefer. Zusätzlich habe ich wieder mehr Fallschwindel.
Und die Angstsymptome verstärken sich auch…
2 Panikattacken mit leichten Disso Symptomen habe ich jetzt schon gehabt… in Situationen, die ich ansonsten schon gut meistern kann.

Nunja…so ist es halt.

In diesem Antrag steckt meine Lebensgeschichte, die ich noch nie so einem Fremden erzählt habe…im Gegenteil, in Kliniken verweigere ich genaue Auskunft über meine Biografie.

Und in dem braunen Umschlag stecken die dunkelsten Momente meines Lebens.
Ich habe sie nicht selber aufgeschrieben, das hat die Wohnbetreuung gemacht für mich…
Wir sind dafür extra in die Psychiatrische Ambulanz der LWL gefahren, damit ich einen wirklich geschützten Raum habe…und ich habe erzählt, geweint, gelitten…und sie hat es aufgeschrieben.

Jetzt liegt das Zeug hier und guckt mich an wie eine giftige Spinne.

Ich werde noch den Anwalt des VDK drüber gucken lassen…abgesprochen ist, dass ich dafür in der Mittagspause vorbeikomme, wenn niemand anderes im Büro ist.


November 2015

Anstatt den Anwalt des VDKs zu Rate zu ziehen, habe ich 2 Fliegen mit einer Klappe erledigt.
Bei Wildwasser habe ich mir in Begleitung meiner Betreuerin den Antrag für den Fond Sexueller Missbrauch geholt und die wirklich nette, einfühlsame, aber trotzdem sachliche Beraterin hat sich auch gleich noch den OEG- Antrag angeschaut und für ok befunden.
Zuhause habe ich noch die letzten Lücken gefüllt und das Ding eingetütet.
Abgeschickt habe ich ihn aber noch nicht.
Mit meiner Psychiaterin habe ich auch nochmal über Leistungen gesprochen, die ich beim Fonds beantragen könnte….da habe ich echt Schwierigkeiten mit, anzugeben, was für mich hilfreich und sinnvoll wäre. ich weiß es nämlich schlichtweg nicht.
Kommt Zeit, kommt Rat! Aber allzuviel Zeit habe ich ja nicht weil die Antragsfrist im April 2016 abläuft.

Insgesamt bin ich immer noch emotional ziemlich instabil, ich beschränke meine Aussenaktivitäten auf das Notwendigste und die sind ziemlich stressbesetzt.
Ausserdem bin ich dauerangespannt und nervös, meine Fingernägel und Fußnägel sehen dementsprechend aus.
Mein Umfeld rät mir schon dazu, es lieber abzubrechen meiner Gesundheit zuliebe.
Doch jetzt ist der Stein ins Rollen gebracht und Selbstfürsorge war ja noch nie meine Stärke. Vielleicht wäre es besser für mich, aber ich will keinen Rückzieher machen.

13.11.2015
Heute habe ich den Antrag persönlich zur Post gebracht.
Ich hab mir gedacht, Freitag der Dreizehnte ist nun wirklich ein passendes Datum.
Zumal ich morgen ein neues Lebensjahr erreiche und vielleicht damit auch einen neuen Lebensabschnitt starte.
Ich bin gespannt, aber nicht angespannt….es war ein Schritt….mal schauen, welche noch kommen werden….


Dezember 2015

Am 4.12. hat sich ein Brief auf den Weg zu mir gemacht…bekommen habe ich ihn allerdings erst 1 Woche vor Weihnachten, da ich 2 Wochen bei meinem Freund war wegen dem „Vorstellungsgespräch“ in einer Klinik, die auf PTBS und Angststörungen spezialisiert ist.
Leider haben sie mich aufgrund meiner Einschränkungen (wieder mal) abgelehnt.

Ich war etwas erstaunt, als ich den Brief aus dem Briefkasten fischte, er kam nämlich aus Schleswig Holstein. Hmmm…ich wohne in NRW und habe den Antrag nach Münster geschickt.
Nun denn, Auflösung kam schnell, die letzten Übergriffe fanden in SH statt und darum sind die Nordlichter nun zuständig.
Ob das gut oder schlecht ist? Ich weiß es nicht…

Da ich in der gleichen Woche noch einen Termin bei meiner Psychiaterin hatte, weiß ich nun zumindest, dass sie und auch meine Wohnbetreuungen schon jetzt das Verfahren unmöglich finden.
Denn so kurz vor Weihnachten wollten die Holsteiner mit diesem Brief doch glatt eine Niederschrift der genauen Tathergänge sämtlicher Übergriffe und Zeugennennung von mir anfordern.
Ich habe das bis ins neue Jahr erstmal auf Eis gelegt, zumal die Psychiaterin mir wegen meiner derzeitigen megaätzenden Instabilität das Versprechen abgenommen hat, diese Dinge auf keinen Fall alleine niederzuschreiben.
Und meine Wohnbetreuung will sich erstmal bei Wildwasser erkundigen, ob das so eigentlich Rechtens ist.
Trotzdem geistert die wahrscheinlich unumgängliche Schreibarbeit ständig in meinem Kopf rum und versaut mir meine Tage und meine Nächte.

Besonders die Zeugen- Benennung bürdet mir innere Konflikte auf…
direkte Zeugen sind schon verstorben und somit müsste ich jetzt genau die Menschen, die ich bisher immer verschont habe mit meinem „Leiden“, als Zeugen benennen.
Und ich weiß nicht, ob ich die Kraft habe, eventuellem Entsetzen, Empören und Verleugnen ihrerseits, entgegenzutreten.

Mittlerweile verlasse ich die Wohnung wieder gar nicht mehr freiwillig, die Einkäufe müssen andere erledigen, Weihnachtmarkt war auch nicht möglich und natürlich habe ich die Festtage und Sylvester schön brav in meiner Wohnung verbracht. Autofahren ist jetzt wieder sooo spannend, dass ich es nichtmal packe, 500 Meter zum LIDL mitzufahren.
Eine ordentliche Rückentwicklung, das gefällt meinem Umfeld und mir natürlich überhaupt nicht.


Januar 2016

Die Instabilität hat mich für 14 Tage in die LWL auf die Akutstation gebracht. Krisenintervention…
Und jetzt wird’s ganz paradox und für mich absolut nicht nachvollziehbar:
Der Oberarzt der Stationen für Ängste, Depressionen und Zwänge will mich nicht stationär behandeln ausser in Krisen….
Also jeder andere darf dort gegen Ängste und Depressionen stationär Therapie machen,
aber ich mit komplexer PTBS, Agoraphobie, generalisierter Angststörung, Panikstörung und Depressionen muss Therapien ambulant machen.

Wer soll das verstehen?
Selbst meine Wohnbetreuung von der LWL und meine Psychiaterin, die mich in der LWL Ambulanz betreut, konnten nichts ausrichten.
Ich habe mich per Mail beim Klinikchef „beschwert“ und in einem persönlichen Gespräch meine bescheidene Situation mitgeteilt.
Er will schauen, ob sich eine Lösung findet, aber bis zu meiner Entlassung gabs kein Ergebnis.

Wenigstens durfte ich dort mit therapeutischer Begleitung den von Schleswig Holstein geforderten genauen Bericht über die Taten zu Papier bringen.
Ich habe erzählt… die Therapeutin hat geschrieben.
Danach war ich 30 Minuten eingefroren…Freezing ist doch der allerletzte Scheiß, den wirklich kein Schwein gebrauchen kann.

Die Therapeutin hats in den nächsten Tagen ins Reine geschrieben und wieder habe ich einen geschlossenen braunen Umschlag…und ich werde NICHT Korrekturlesen, sondern das Ding einfach nach Schleswig Holstein schicken.

Ich habe mich übrigens  dagegen entschieden, „Zeugen innerhalb der Familie“ zu benennen, ich habe einfach nicht die Kraft, mich dem Gegenwind zu stellen. Die waren ja auch eh nicht „Dabei“.

Im Moment frage ich mich echt, warum ich mir das OEG antue….
denn wenn mich sämtliche Kliniken ablehnen und ich auch ambulant keine Angebote finde, wofür brauche ich denn dann später die Anerkennung?

Jetzt bin ich wieder zuhause,  …. mal wieder im absoluten Zustand  der Leere.


Februar 2016

Am 13. habe ich endlich alles eingetütet, damit die Wohnbetreuung es wegschicken kann.
Fast 3 Wochen habe ich gebraucht, alles zusammenzubekommen.

Ich habe nämlich beschlossen, meine komplette Biografie auch gleich mal niederzuschreiben, da es diese so bisher nicht gegeben hat.
Im Gegenteil, da ich meine Biografie immer bei Ärzten und Kliniken gefiltert und gestückelt erzählt oder total verweigert habe, haben sich in den Klinikberichten eine Menge Fehler eingeschlichen.
Aber ich konnte ja auch nicht wissen, dass dieses Jahre später mal für einen OEG- Antrag von Wichtigkeit sein könnte.

Meine Wohnbetreuung hatte nun 15 Seiten auszudrucken und jede Menge Kopien zu machen von Klinikberichten und anderen Dingen (Urkunden, Meldebescheinigungen, Befunden, etc.). Der Umschlag ist somit verdammt dick geworden und komplett mit Tesa zusätzlich verschnürt, damit niemand meinen Kram unbefugt lesen kann.

Ansonsten geht’s mir immer noch bescheiden, von der Klinik habe ich nichts gehört und meine Psychiaterin hat mir vor 3 Tagen gesagt, dass niemand sie kontaktiert hat.
Soviel zum Versprechen des Klinikchefs, sich um eine Lösung zu bemühen.
Sie wird sich jetzt selber darum bemühen, mit dem Oberarzt einer anderen Station meine Aufnahme auszuhandeln. Traurig, traurig!!

Denn ich benötige dringend Hilfe…im Moment kann ich niemanden um mich herum ertragen, es ist jetzt grade halb 4 morgens und ich habe das erste mal seit 5 Tagen meine Haare entknotet. Genauso lange stecke ich schon in den gleichen Klamotten, rund um die Uhr, Aber ich kann nicht wechseln, ich kann nicht duschen…Ich häng hier den ganzen Tag tatenlos rum, meinen Haushalt bekomme ich auch wieder nicht hin.
Vor die Tür kann ich auch nicht, Autofahren ist im Moment mal wieder Horror…
meine Nachbarin hat mir gesagt, ich sehe richtig schlecht aus.

Und auf die Träume kann ich auch verzichten…meine Nächte sind mal wieder sehr sehr kurz und äusserst spannend. Happy Valentine´s Day!!

19. Februar
Heute habe ich wieder einen Brief aus SH aus dem Briefkasten gefischt.
Mir wird schon ganz komisch, wenn ich den Absender sehe…Angst und Unruhe steigen sofort, denn irgendwie erwarte ich nichts gutes von diesen Briefen. Und ich werde so unvorbereitet mit meiner Vergangenheit konfrontiert.
40 Jahre konnte ich das steuern, ob und wann ich mich mit diesem Kapitel meines Lebens beschäftige, jetzt mit dem OEG ist das vorbei.

Mit steifen Fingern habe ich den dünnen Umschlag geöffnet, steht auch eigentlich nix Weltbewegendes drin…nur, dass meine Rückantwort noch nicht eingetroffen ist und mir eine Frist von 4 Wochen gesetzt wird, diese nachzureichen.

Nunja….da meine Wohnbetreuung den dicken Umschlag mitgenommen hat zum Abschicken, konnte ich gleich davon ausgehen, dass es sich um eine Überschneidung handelt, dennoch wurde ich kribbelig, dass meine urpersönlichen Unterlagen irgendwoanders gelandet sind und Unbefugte nun meine Biografie lesen könnten.

Also habe ich die Sachbearbeiterin angerufen, um nachzufragen. Könnte ja sein, dass die Unterlagen mittlerweile auf ihrem Schreibtisch gelandet sind.
Ganz wohl war mir dabei nicht…
Denn wie spricht man mit dem Menschen, der höchstwahrscheinlich darüber bestimmen wird, wie diese Sache für mich ausgeht?
Was ist, wenn Frau W. heute im Stress ist, schlechte Laune hat oder ihr meine Telefonstimme nicht gefällt?
Wenn ich was Falsches sage und sie mich dann sauunsympathisch findet?

Meine Sorge, dass meine Unterlagen verschütt gegangen sind, war jedenfalls größer als die Angst, bei Frau W. voll aufzulaufen.
Und die Sorge war auch vollkommen unbegründet.

Frau W. und ich haben doch glatt 45 Minuten telefoniert…die Unterlagen sind wirklich noch nicht da, aber so konnte ich auch ein paar Fragen stellen, die mir rund um die Uhr im Kopf rumschwirren.
Gutachter…ganz großes Stressthema bei mir…mit Termin und Leistungsdruck und der Gewissheit, einem Gutachter in Lübeck oder sonstwo in SH alles über mich erzählen zu müssen, würde ich es an dem Tag nichtmal bis zur nächsten Autobahnauffahrt schaffen.
Muss ich auch nicht, denn Frau W. sagte mir, dass in so einem Fall ein Gutachter in meiner Nähe beauftragt wird.

Das Gespräch war jedenfalls sehr entspannt und auch streckenweise lustig….Sie hat ein bisschen mehr über mich erfahren und kann sich jetzt auch schon ein Bild von mir machen. Und sie hat mir angeboten, wann immer ich Fragen habe, anzurufen, damit nicht soviel Stress in mir aufgebaut wird.

Ausserdem habe ich ihr von der Petition der Initiative  Phönix erzählt und das viele (wie ich) OEG aus der Not heraus beantragen, weil wir nicht ausreichend Therapiestunden von den Krankenkassen genehmigt bekommen.


15. März 2016

Den Blog möchte ich mit meinem wahren Zustand nicht zuballern, darum nur hier:
Ich bin derartig im Eimer, dass ich nichtmal meine Freundin ein Haus weiter alleine besuchen kann.
Den Weg dahin habe ich geschafft, aber in ihrer Wohnung habe ich so einen Hochstress aufgebaut, dass ich wieder zurück in meine Wohnung musste. Komischerweise gings dann mal so richtig los…Hyperventilation, Weinen, Erstarren….einfach so.
Ich versteh das nicht….und habe selbst meine Dosis Quetiapin erstmal erhöht, ich nehm das Zeug jetzt auch morgens/mittags, bin dann aber quasi den ganzen Tag schachmatt gesetzt und stoned.

Meine Wohnbetreuung ist wegen meinem starken Rückzug jetzt wieder auf 3 Tage erweitert worden, damit ich überhaupt mal vor die Tür komme und in kleinen Schritten Angst-Exposition betreibe…Einkaufen z.B.
LIDL war so eine Übung…mittags wo es leer war…für einen Pack Cola…ich war danach sowas von fertig. Dabei wurde mir bewusst, dass ich seit 3 Monaten nicht mehr Einkaufen war…nirgendwo!!

Einflüsse von aussen kann ich im Moment gar nicht ertragen, selbst harmlose WhatsApp Nachrichten versetzen mich in Hochstress.


01. Mai 2016

Seit dem 16. März bin ich wieder stationär in der Klinik. Es war für mich zuhause einfach nicht mehr alleine durchzustehen. Eingefädelt hat das meine Psychiaterin, die den Oberarzt einer anderen Station gebeten, hat, mich aufzunehmen.
Das war eine Klinikaufnahme innerhalb von 24 Stunden…sehr überraschend aber auch erleichternd.
Mein Freund kümmert sich jetzt um meine Katze und meine Wohnung, sonst wäre es wirklich schwer für mich, solange in der Klinik zu bleiben.

Jetzt bin ich schon 6 Wochen in der Klinik, neue Medikamente werden eingeschlichen, ganz langsam in kleinen Dosen, aber trotzdem habe ich schon einige Nebenwirkungen zu ertragen. Dank meiner paradoxen Reaktionen auf Sedativa hat mir Stangyl beim Höherdosieren einen dissoziativen Schreianfall  beschert. 2 Tage war ich danach heiser und meine Mitpatienten in den Nachbarzimmern sind vor Schreck fast aus den Betten gefallen.

Die Zeugen, die zumindest bescheinigen können, dass ich schon vor 20 Jahren über den Missbrauch gesprochen habe, haben Mitte April alle eine schriftliche Aufforderung von Lübeck bekommen, sich dazu zu äussern. Und natürlich melden die sich alle erstmal bei mir, was mich jetzt auch wieder stresst.

In den Einzelgesprächen wird nun erstmals meine Biografie und der Missbrauch genauer thematisiert…sehr gewöhnungsbedürftig für mich und natürlich ordentlich stressbelastet. Stabiler macht mich das jedenfalls nicht, aber wer weiß, wenn ich mal alles ausgekotzt habe…..Jedenfalls sind DIE der Meinung, ich habe Schuldgefühle und bestrafe mich selbst…ich merk da nur nix von, aber ich finde mich ja auch nicht depressiv.

Fortschritte in der Stabilität kann ich somit auch nach 6 Wochen Klinik leider nicht vorweisen, aber immerhin kann ich auf der Station schon frei gehen, ohne mich an der Wand abstützen zu müssen. Die Autofahrt an den Wochenenden zu mir nach Hause und zurück ist hingegen eine echte Tortour für mich, die Angst hält mich gefangen. 2mal mussten wir die Rückfahrt zur Klinik schon abbrechen und zurück nach Hause fahren…eine zusätzliche Ladung Promethazin hat dann für mehr Beruhigung sorgen müssen

Eigentlich muss ich meinen Antrag auf Verlängerung der Grundsicherung beim Sozialamt stellen, meinen neuen Schwerbehindertenausweis beantragen und mein Personalausweis muss auch neu gemacht werden…aber wie?
Ich komm ja derzeit nirgendwo stressfrei hin. Krebsvorsorge und Zahnarzt liegen sogar noch länger auf Eis.
Ich überlege, mir doch vorläufig eine gesetzliche Bereuung für die Amtsgänge einrichten zu lassen. Aber eigentlich geht mir das total gegen den Strich.

2016 ist jetzt schon als scheiß Jahr bei mir abgehakt.


28.Mai

Schweinchen Schlau hat zumindest eine Erkenntnis gewonnen….das Chaos herrscht in mir …alles im Aussen ist lediglich Brandbeschleuniger und Katalysator.
Was ich mit dieser Weisheit anfangen soll/werde, weiß ich noch nicht….ich muss jedenfalls jetzt ordentlich aufpassen, dass sich meine Wut nicht gegen mich richtet.

Seit Anfang der Woche bin ich wieder ziemlich im Eimer, davor wars eigentlich schon recht erträglich, bzw. ich hatte gute Fortschritte in der Reviererweiterung auf dem Klinikgelände gemacht,
Der Oberarzt hat mir am Dienstag wieder Naltrexon aufs Auge gedrückt, gleichzeitig Topamax erhöht, mir die Ergo in einem anderen Gebäude aufgebrummt und ab nächste Woche Tagesklinik mit täglicher Autofahrt avisiert.
Das war zuviel….und es hat Peng gemacht…Dissoziation mit Schreianfall und dann saßen der Oberarzt, die Therapeutin und Rapunzel anschließend schön gemeinsam in einem Gesprächskreis auf dem Boden in meinem Zimmer.

Disso ist überhaupt grade eins meiner Probleme…ich mag mich gar nicht mehr selber anfassen, weil meine ganze Haut wie betäubt ist…bisher kannte ich das nur bei Hochstress, dass meine Arme oder Hände taub wurden…aber jetzt ist selbst meine Blase gefühllos…und meine Zunge…ich habe keinen richtigen Geschmackssinn mehr und alles fühlt sich an, als wenn ich eine örtliche Betäubungbekommen hätte. Ein äusserst unangenehmer Zustand, der mir auch wirklich Angst macht.

Beim genaueren Hinschauen ist mir aber klar geworden, dass ich diese Probleme schon seit vielen Jahren habe, sie nur ignoriert oder für normal befunden habe. Woher soll ich auch wissen, wie es sich „normal“ anfühlt.
Ich habe mich noch nie eincremen können, meine Bodylotion landet regelmäßig nach Jahren dummrumstehen im Müll. Ich habe meinem Sohn die Milchflasche nicht temperieren können, dafür macht man ja Tropfen der Milch auf die Handgelenkinnenseite. ich hab da aber nix gemerkt….und ich bade und dusche seit Jahrzehnten zu heiß…Kreislaufprobleme und Badabbruch waren häufig die Folge.

Wo bin ich die ganzen Jahre nur gewesen mit meinem Kopf??????


11. Juli 2016

Seit 2 Wochen bin ich wieder zuhause…fast 4 Monate Klinik haben gereicht, es gab für mich keine Fortschritte mehr und so habe ich nach reiflicher Überlegung die Entlassung forciert.

Topamax ist auf meinen Wunsch abgesetzt worden…
a) Es half nicht gegen die Gewichtszunahme
b) Ich hatte das Gefühl, dass der verstümmelte Geschmackssinn und das extreme Brennen und Kribbeln  in der Haut eine Nebenwirkung war.
Und anscheinend habe ich Recht, denn seit 1 Tag schmeckt die Cola wieder und die ätzenden Hautgefühle sind auf Normalmaß zurückgegangen.
Immer noch taub, aber durch Gewöhnung jetzt einigermaßen erträglich.

Letzte Woche hatte ich dann mein erstes Gespräch mit meiner (hoffentlich) neuen Therapeutin. Und oh Wunder…Sie hat mir von sich aus die Möglichkeit aufgezeigt, den Fonds für sexuellen Missbrauch anzuzapfen. Sie hat mir angeboten, den Antrag gemeinsam auszufüllen, denn das Ding fliegt noch immer unausgefüllt bei mir rum.

Das Leben hier draussen ist für mich weiterhin beschwerlich…alleine sein mag ich gar nicht, weshalb ich mich grade mehr dem Stress aussetze, mit zum Einkaufen zu gehen.
Mal klappts recht gut, mal weniger…aber nach jedem Ausflug in die Welt bin ich hinterher total erschöpft. Freiwillige Ausgänge rein zur Freizeitgestaltung gibt’s nicht, trotz des sonnigen Wetters da draussen. Früher hätte ich im Freibad gesessen…
Das fällt jetzt allein schon wegen der Gewichtszunahme flach…ich passe in meine Klamotten nicht mehr rein und fühle mich mega unattraktiv. Ich schlepp jetzt 20 Kilo mehr rum als sonst, 10 Kilo davon habe ich mir in der Klinik angefuttert.

Vom OEG gibt’s nix neues, die Zeugen haben ihre Aussagen weggeschickt, was genau drinsteht, weiß ich nicht…will ich auch nicht wissen. Viel zu den Vorgängen können sie eh nicht schreiben, denn ich habe ja niemals überhaupt irgendjemandem genau erzählt, was mir angetan wurde.

Vorgestern bin ich zufällig beim Googeln nach Medikamenten auf eine Seite gestoßen, wo auch eine Verlinkung zu Statistiken über die OEG- Anträge der einzelnen Bundesländer hinterlegt war. Schleswig Holstein hat eine Ablehnungsquote von mehr als 50 Prozent. Das sind natürlich klasse Aussichten für mich ohne Strafanzeige und ohne Zeitzeugen.
Eine Fifty- Fifty- Chance…nunja, besser als nix…im Lotto sind die Quoten schließlich noch beschissener.


8. August 2016

So, jetzt ist es quasi 1 Jahr her, dass ich beschlossen habe, den Antrag auf Opferentschädigung auszufüllen.

Wirklich viel ist nicht passiert bisher…
nur mein Gesundheitszustand ist in die Knie gegangen.

Wenn ich daran denke, wie es mir letztes Jahr ging und was ich alles unternehmen konnte….und dieses Jahr bestand bisher nur aus Klinik und Überleben zuhause.

Den Sommer 2016 gibt es für mich gar nicht, denn ich war dieses Jahr bis dato nicht einmal zur Freizeitgestaltung draussen…nur zur Psychologin, zur Therapeutin, zur Klinik, zur Ergotherapie und zum Einkaufen. Und alles nur mit Druck und Angst.
Letzte Woche war ich immerhin mal mit meiner Wohnbetreuung bei KIK, das ist nicht weit entfernt, vormittags ist da auch tote Hose und mich hält nur 1 Ampel auf der Strecke auf.
KIK war nötig, denn dank der Gewichtszunahme passe ich in meine Klamotten nicht mehr rein. Unterwäsche, Hosen, Röcke…mir ist alles zu klein und ich musste um eine Kleidergröße aufstocken. Bei den Oberteilen habe ich jedoch das Problem, dass ich nur am Busen und an der Hüfte mehr zugelegt habe…also entweder oben zu groß und an der Hüfte passend oder oben passend und an der Hüfte zu eng…toll.
Jedenfalls musste ich Geld ausgeben, dass ich eigentlich gar nicht habe…aber Bekleidungsgeld gibt’s ja schon ewig nicht mehr vom Amt.

Langsam werde ich unruhig, weil ich gar nichts vom OEG höre…ich kontrolliere jetzt schon täglich meinen Briefkasten und trage mich mit dem Gedanken, mal in SH anzurufen und den Stand der Dinge abzufragen…aber ich trau mich nicht, ich möchte jetzt nicht noch eine negative Nachricht verarbeiten müssen.



11. August 2016

Ich war doch mutig und habe gestern in SH angerufen. Leider hatte die Sachbearbeiterin meine Akte nicht parat und so haben wir heute nochmal miteinander telefoniert.

Aktueller Stand:
Dieses Jahr haben sich anscheinend die Zuständigkeiten geändert…wenn die Taten in verschiedenen Bundesländern stattfanden. Es läuft wohl darauf hinaus, dass jedes Bundesland „seine“ Taten selber bearbeiten soll.
Also in meinem Fall wäre jetzt auch NRW zuständig.
Aber mein Antrag wurde noch während der alten Regelung gestellt, wo das Bundesland, wo die letzten Taten stattfanden, allein zuständig ist.
Wie es letztendlich wirklich laufen wird, konnte meine Sachbearbeiterin nicht sagen, meine Akte liegt bei der Vorgesetzten. Die wird entscheiden, ob sie alleine oder NRW mit im Boot sein muss.

Und ich weiß nicht warum, ich  habe heute am Telefon geschummelt und so getan, als wüsste ich nicht, dass die Zeugen angeschrieben wurden. Keine Ahnung, warum ich das gemacht habe…so bin ich normalerweise überhaupt nicht.

Jedenfalls wurde heute nochmal über das Procedere wegen der Glaubwürdigkeit gesprochen…dass ihre Vorgesetzte entscheiden wird, ob es ausreicht, mit meiner Aussage und der der Zeugen meine Glaubwürdigkeit nachzuweisen.
Und sie sagte mir heute, dass es nicht so sein wird, dass meine Erkrankung als Nachweis genommen wird…sondern die Schlüssigkeit meiner Einlassungen und der Hörensagen- Zeugen.


28. September 2016

Heute hatte ich wieder das Bedürfnis, mal nachzuhaken, wie denn der Bearbeitungsstand ist.

Meine Akte liegt in der Grundsatzabteilung (?), weil noch immer nicht klar ist, wie damit verfahren werden soll. Erst nächste Woche ist wohl eine bestimmte Juristin wieder da und meine Sachbearbeiterin wird sie dann darauf ansprechen.

Tröstlich ist, dass meine Sachbearbeiterin sofort wusste, wer ich bin und dass sie schon länger einen Zettel mit meinem Namen an der Pinnwand hat, damit das nicht untergeht.
Sie teilte mir dann auch noch mit, dass die Bearbeitung der Anträge bis zu 2 Jahren dauern kann….hmmm…dann kann ich mich ja schon seelisch auf 3 Jahre vorbereiten, wenn meine Akte schon seit Monaten nicht mehr bearbeitet wird aufgrund der Unsicherheit, wer zuständig ist.


4. November 2016

Ich habe noch nichts gehört vom OEG…aber immerhin gehe ich wegen dem OEG regelmäßig an den Briefkasten, was ja sonst auch schwer ist.
Ich werde so langsam unruhig, weil sich gar nix bewegt.

Oder vielleicht bewegt sich da doch was ohne mein Wissen, denn vor 2 Wochen hat mein Halbbruder, mit dem ich seit 8 Jahren keinen Kontakt habe, mein Facebookprofil gesucht und mir 2 Likes zu Textbildern hinterlassen.
Eins war vom Inhalt her: “ Jeder muss seine Rechnung bezahlen“ und das andere Bild
“ Bei manchen Menschen denke ich, bleib wie Du bist- und bei anderen: Bleib, wo Du bist“
Damit hat mein Bruder mir richtig einen reingewürgt, ich bin noch die Woche danach im Eimer gewesen…meine Therapeutin hat mir geraten, solche Grenzüberschreitungen nicht mehr zu erdulden und meinen Bruder bei Facebook zu blockieren. Aber bisher konnte ich mich nicht dazu durchringen.

Ich frage mich nun, warum er ausgerechnet jetzt auf mein Profil gegangen ist…Geht’s meiner Mutter vielleicht nicht gut? Oder hat das OEG meine Mutter angeschrieben?

Nachfragen will ich aber nicht…ich habe Angst vor der Antwort und der Reaktion meines Bruders. Ich bin zu instabil, um Gegenwind auszuhalten.

Ich habe auch schon überlegt, bei der Sachbearbeiterin in SH nachzufragen, aber ich will auch nicht schlafende Hunde wecken…nachher kommen die vielleicht erst durch meinen Anruf auf die Idee, meine Mutter zu befragen.

Mein Körpergefühl ist immer noch unter aller Sau…Blase taub, 3 Finger der rechten Hand taub, Haut ebenfalls….gestern habe ich mir doch glatt in die Hose gepullert, weil ich vom Klo aufgestanden bin und eben nicht gemerkt habe, dass ich noch gar nicht fertig war.
Wie ein Kleinkind, manoman!!

Meine Therapeutin macht jetzt Achtsamkeitsübungen mit mir, wo ich lernen soll, meinen Körper zu beobachten und zu spüren, ohne es als gefährlich zu bewerten.
Sie war auch so nett und hat die Übung für mich auf mein Handy gesprochen, so dass ich das auch zuhause üben kann.

Rausgehen ist immer noch mega schwierig…ich muss schon einen zwingenden Grund haben…Arzt, Therapie, Einkaufen…natürlich alles in Begleitung. Leider gehen für diese Pflichttermine sämtliche Betreuungsstunden drauf, so dass für Freizeitbeschäftigung kein Budget mehr vorhanden ist.
Der Sommer ist ausgefallen…und den Herbst kann ich auch abhaken.


 25. November 2016

Mir ist es zu ruhig…ich laufe täglich zum Briefkasten, in der Hoffnung, endlich wieder was vom OEG zu hören. Andererseits habe ich aber auch Schiss…weshalb ich einen Anruf bei der Frau W. Woche um Woche vor mir herschiebe.

In Erwartung, dass es Schwierigkeiten mit dem OEG geben könnte und ich klagen müsste, habe ich heute abend eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Ich bin zwar Mitglied im VDK, aber das ist mir nicht sicher genug.

In der Einzeltherapie arbeiten wir jetzt mit meinen anderen Anteilen .. primär dem, der die Selbstfürsorge boykottiert. Dabei hat sich herausgestellt, dass dieser Anteil, der anscheinend wahnsinnig wütend ist, sich zu wenig beachtet fühlt und gehört werden will.

Heute habe ich mich das erste mal seit Monaten wieder etwas geschminkt.


30. November 2016 

Gestern nach der Cranio musste ich 2 Telefonate erledigen, die beide nicht zu meiner Zufriedenheit verliefen…ich war leicht aggro…aber ich hab mir dann gesagt:“ Was solls, dann kann ich auch noch beim OEG anrufen.“
Gesagt, getan….der Antrag liegt immer noch in der Grundsatzabteilung. Ich habe der SB, die da ja nun wirklich nix für kann, dann schonmal darauf hingewiesen, dass so langsam eine Untätigkeitsklage in Betracht kommt.

Die SB hat mir dann nochmal erklärt, woran es eigentlich hakt…

Das Gesetz, dass jedes Bundesland seine Fälle bearbeiten soll, gabs schon immer…Nur wurde es eben immer so umgesetzt, dass eben das Bundesland, welches zuletzt zuständig war, den Antrag bearbeitete.
Aber nun hat ein Bundesland geklagt, dass sie immer soviele Ausgaben haben, für die eigentlich andere Bundesländer heranzuziehen wären…

Toll…also alle Antragsteller mit Fällen, die in mehreren Bundesländern stattfanden, müssen sich jetzt wahrscheinlich damit rumärgern, dass die Uneinigkeiten der Bundesländer auf ihrem Rücken ausgetragen werden.


4. Januar 2017

Merry Christmas und a Happy New Year!
Ob das Jahr happy wird, bleibt abzuwarten…die Feiertage habe ich jedoch gut hinter mich gebracht…zu Sylvester hatten wir gleich 2 Ex- Mitpatienten zu Gast.
Weihnachten gab es Fondue und Sylvester Raclette, was für mich Premiere war. Und an beiden Tagen hatten wir viel zuviel zu Futtern eingekauft.

Körperlich geht’s mir derzeit ganz gut, was heißt, es ist erträglich…so langsam gewöhne ich mich an meine taube Haut, wobei die Cranio eine große Unterstützung dabei ist.

In der Psychotherapie wird allerdings jetzt mit Traumatherapie begonnen, wo ich ordentlich Bammel vor habe. Doch Frau C. ist der Meinung, andere Therpievarianten wären bei mir wenig erfolgversprechend.

Bezgl. meines Antrages gibt es wenig spektakuläres zu berichten. Ich habe heute wieder mal in Lübeck angerufen, um zu hören, ob es endlich voran geht, aber Pustekuchen.
Frau W. ist mittlerweile auch nicht mehr amused, denn sämtliche Anfragen an Grundsatz- Abteilung und an die Vorgesetzte blieben bisher unbeantwortet. Frau W. hat mir heute die Telefonnummer ihrer Vorgesetzten gegeben und mir empfohlen, mal direkt mit der Dame zu sprechen. Leider ist sie erst nächste Woche wieder im Haus.

Aber um mal ein bisschen Munition zu haben, habe ich heute beim LWL in Münster angerufen, um mal zu hören, wie die dort mit ihren OEG Anträgen verfahren. Denn im Zweifelsfall wäre ja Münster für meine früheren Taten zuständig.
Tja…Münster arbeitet so wie bisher…solange, bis sie eine andere Anweisung vom Ministerium bekommen. Also ist das nicht Deutschlandweit so, dass die Anträge der Betroffenen mit Tatorten in mehreren Bundesländern auf Eis liegen, sondern ich habe grade eben die Arschkarte, dass SH so handelt.

Daraufhin habe ich nochmal in Schleswig Holstein angerufen, um mal die Nordmänner auf Kurs zu bekommen….Frau W. hat mich aber gebeten, erst mit der Vorgesetzten zu sprechen, bevor ich mich an das Ministerium für Arbeit und Soziales wende…und das werde ich definitiv tun, wenn sich da jetzt nicht innerhalb dieses Monats was bewegt.


26. Januar 2017

Heute vormittag klingelte das Telefon und Frau G. ,die Vorgesetzte  von Sachbearbeiterin Frau W. ,war am Apparat.
Ich habe die letzten 3 Wochen immer wieder mal probiert, sie zu erreichen, hatte aber keinen Erfolg. Frau W. hat deswegen nochmal ein Zettelchen mit der Bitte um Rückruf auf den Schreibtisch von Frau G. gelegt.
Ja…und heute war es soweit, endlich gibt’s die Nachricht, dass es weitergeht.

Leider aber nicht so, wie ich es erhofft hatte. SH hat jetzt eine Doppelakte angelegt und wird sie an NRW, Versorgungsamt Münster LWL, weiterleiten. Es ist wirklich so, dass jetzt wohl jedes Bundesland seine Fälle bearbeiten muss. Wobei aber letztendlich wahrscheinlich wieder nur eines der Bundesländer die Gelder zahlen wird. Hmmmm…..

Wirklich gefallen tut mir das nicht…jetzt lesen noch mehr Menschen, die ich nicht kenne, meine Geschichte und noch mehr Menschen werden darüber urteilen.
Ausserdem zieht es sich jetzt noch länger hin, weil NRW vielleicht noch ganz andere Infos von mir haben möchte…oder die Zeugen nochmal befragen wird…oder, oder oder….
Natürlich alles nur negative Mutmaßung von mir, aber das ist nunmal mein Naturell. Immerhin merke ich jetzt schon öfter mal, wo es bei meiner Denkweise hakt. Das ist auch ein Fortschritt.

Was mich etwas irritiert hat, Frau G. wollte mir den Bearbeitungsstand von SH, bzw. ihre Entscheidung…also Daumen hoch oder runter….nicht mitteilen. Das verstehe ich jetzt nicht so wirklich, denn immerhin bin ich die Antragsstellerin und denke, wenn nicht ich wer dann? Nunja…Frau G. war dabei jetzt nicht unfreundlich, im Gegenteil…aber ich finde es trotzdem komisch…schließlich warte ich nun schon 1 Jahr.

Was ist eigentlich, wenn das eine Bundesamt „ja“ sagt und das andere „nein“?

Ich habe Frau G, dann noch gefragt wie es sich verhält mit der Kostenübernahme meiner Therapien bei laufendem Verfahren. Zuerst ist wohl immer die Krankenkasse dran, aber falls die nicht mehr zahlen sollten, dann kann ich mich an SH wenden.
Ich hab nämlich ein bisschen Sorge, dass meine Therapie vielleicht nicht verlängert wird. Meine Therapeutin ist grade dabei, den Antrag dafür zu stellen.
Und ich will auf keinen Fall meine Therapeutin verlieren, ich bin so froh, bei ihr zu sein, auch wenn es immer sehr anstrengend für mich ist in den Sitzungen.
Ich bin jedesmal aufs Neue überrascht, dass ich bei ihr in Tränen ausbreche und meine Stimme versagt, wenn ich Vorfälle aus meinem Leben erzähle…die gleichen Vorfälle habe ich bisher immer so erzählen können, als wenn es mich gar nicht beträfe.
Das ist anscheinend ein Zeichen des Vertrauens in die Therapeutin, dass ich anfange, auch Emotionen zu den Vorfällen zu spüren.

Im Moment sind wir dabei, die Bildschirmtechnik zu üben mit kleineren Traumata, die mich nicht gleich aus den Schuhen hauen.
Mit EMDR wird sie erst beginnen, wenn die Genehmigung der Krankenkasse für die Verlängerung der Therapie da ist.

Der Antrag für den Fonds sex. Missbrauchs liegt hier übrigens immer noch unvollendet rum…


24. Februar 2017

Noch liegt die Genehmigung für die Verlängerung der Einzeltherapie nicht vor und wir haben nur noch 2 Stunden. So lässt es sich wirklich toll arbeiten in der Therapie!
Denn solange die Genehmigung nicht da ist, fängt meine Therapeutin nicht an mit EMDR.
Sie sagt, es ist zu gefährlich, wenn wir plötzlich mittendrin abbrechen müssten.

Also heißt es Warten….wie beim OEG.

Während ich das geschrieben habe, kam mir spontan der Gedanke, doch mal wieder nachzuhaken in Schleswig – Holstein…und eine nette Sachbearbeiterin sucht jetzt grade nach meiner Akte ,um zu schauen, wie der Stand der Dinge ist.

Pech gehabt, sie kann die Akte nicht finden, weder auf dem Schreibtisch von Frau W. noch auf dem Tisch der Vorgesetzten. Aber sie sagt, das könnte immerhin das Zeichen sein, dass grade etwas bearbeitet wird….und nun habe ich wieder was dazugelernt:
Neben der Vorgesetzten und der SB Frau W. gibt es noch die Sachbearbeiter, die die angeordneten Ermittlungen letztendlich in die Wege leiten, bzw. umsetzen. Und da soll ich am Montag mal anrufen.

Im Gespräch erfuhr ich dann, dass im Jahre 2020 ein neues reformiertes OEG an den Start gehen soll….


28. Februar 2017

Wie geplant habe ich heute wieder in SH angerufen und auch gleich die richtige Sachbearbeiterin am Telefon gehabt.
Sie hat meine Akte gesucht, gefunden und dann gesagt, dass sie sich den Stand der Dinge grade durchlesen muss….und dann sagte sie, dass sie die Akte für den 1. März auf Wiedervorlage hat, weil sie auf die Antwort von NRW warten…NRW hat die Akten schon.

Und dann las sie nochmal in der Akte ….da war von einem Gutachten die Rede….und dass nach diesem Gutachten eine Anerkennung erfolgt ist.

Ich hab zum Glück gesessen, denn es überrollte mich wie ein Tsunami…Sie glauben mir!!
Ich bin sofort in Tränen ausgebrochen und konnte mich gar nicht mehr beruhigen.
Ich hab mich entschuldigt dafür, aber die Sachbearbeiterin sagte, sie haben ständig mit diesen Fällen zu tun und es wäre nur natürlich, dass ich jetzt so zusammenbreche. Sie würden wissen, wie wichtig den Opfern diese Anerkennung ist. Ich solle mal tief ein- und ausatmen und mir was Gutes gönnen.

Ich hab dann meinen Partner angerufen, der saß in einer Fortbildung…und eine Freundin….ich hab ungelogen mehr als 2 Stunden geheult, es sind wirklich alle Dämme bei mir gebrochen. Meine beste Freundin, die den ganzen Schlamassel und auch meine Schwester, meinen Bruder und meine Mutter kennt, konnte ich leider nicht anrufen.
Sie sitzt mit ihrem Schlaganfall in der REHA, da kann ich nicht noch mit meinem Mist um die Ecke kommen.

Selbst den Beitrag hier im Blog habe ich tränenüberströmt eingetippt.

Und jetzt habe ich einen Brummschädel und etwas Temperatur….was Aufregung und Heulerei ausmachen kann…..

Und selbst wenn der LWL Münster ablehnen sollte, ist das für mich auch nicht so schlimm—-denn zumindest einmal in meinem Leben wurde heute anerkannt, dass es eine Straftat war, sich an mir zu vergehen. Auch wenns nur telefonisch war….


27. März 2017

Meine Sorge war vollkommen unbegründet…

Da ich nichts von NRW gehört habe, musste ich letzten Freitag zum Telefon greifen…Ich kann es einfach nicht vertragen, wenn ich nicht weiß, ob meine Akte auch wirklich da gelandet ist, wo sie hinsoll oder vielleicht in unbefugte Hände geraten ist.
Ich bin es einfach nicht gewöhnt, dass andere Menschen meine Geschichte lesen und es mir nicht automatisch schadet oder ich vielleicht vom Blitz getroffen oder sonstwie bestraft werde.

Der zuständige Sachbearbeiter ist im Moment leider krank, darum schlugen meine Anrufversuche auch alle fehl…aber dann bekam ich einen Rückruf von einer Kollegin oder sogar Vorgesetzten.
Frau S. hat mich sogleich beruhigt, dass meine Akte schon bei ihnen auf dem Tisch liegt, aber aufgrund der Zuständigkeitsdifferenzen eben auch erst die Anwälte drauf schauen mussten. Sie versprach mir, sich kommende Woche selber einzulesen und mich dann zurückzurufen, ob noch was fehlt oder wie es weitergeht. Das fand ich schon ziemlich nett, da es eigentlich nicht ihre Aufgabe ist, sondern die des kranken Kollegen. Aber sie war sehr verständnisvoll und hat schon meine Not erkannt, dass es einfach schon so lange dauert wegen den Zuständigkeitsproblemen.

Heute Vormittag kam dann vollkommen unvorbereitet der Rückruf:
Auch NRW wird mich anerkennen…ich bin gleich wieder in Tränen ausgebrochen und jetzt wo ich das hier schreibe, habe ich schon wieder Hochwasser in den Augen.
Und sie legt ihrem Kollegen einen Zettel hin, dass er mir, sobald er wieder auf dem Damm ist, die Anerkennung auch schriftlich zusenden wird, damit ich auch endlich mal was in den Händen habe.

Nach der anfänglichen Erleichterung hat die Stimmung dann aber umgeschlagen.
Mein Rückschluss, dass ich mich nicht einem Glaubwürdigkeitsgutachten stellen muss, ist nämlich, dass meine eingereichten Unterlagen quasi mit jedem Wort und jedem Körperzustand förmlich schreien: „Missbrauch, Missbrauch!“

Und dann sind meine Gedanken zu meiner Familie gewandert…Dass die es wohl nie erfahren werden, dass ich anerkannt werde als Missbrauchsopfer, weil sie es damals nicht sehen wollten und heute wohl auch kein Interesse an der Wahrheit hätten.
Und zum ersten Mal habe ich sowas wie Hass auf den Täter verspürt und auch mal ausdrücken können- aus der Tiefe meines Herzens habe ich „Scheißkerl“ und „Dreckschwein“ gesagt.


19. April 2017

Heute bin ich auch im Schleudergang…
Ich habe gestern mal wieder beide Bundesländer angerufen, um den Stand der Dinge zu erfahren, weil ich die Anerkennung, die mir schon mündlich von beiden Bundesländern zugesagt wurde, noch immer nicht schriftlich vorliegen habe.
SH teilte mir dann mit, dass sie immer noch auf NRW warten…und der SB aus NRW hatte gestern wegen längerer Krankheit erst seinen ersten Arbeitstag und bat mich, heute nochmal anzurufen.
Dieses habe ich auch getan…und er sagte mir, es gebe von NRW keinen Anerkennungsbescheid für mich, meine Unterlagen würden jetzt in die Ärzteabteilung gebracht und die würden den GdS bestimmen für die Taten in NRW…und SH müsse dieses auch tun…und dann bekäme ich das fertige „Werk“ von SH….er hätte aber „Eilig“ draufgeschrieben, weils schon so lange rumliegt.
Hmmm….und jetzt rätsel ich, inwiefern der GdS bestimmt wird, wenn gar nicht alle Unterlagen von meinen Ärzten und Therapeuten vorliegen…

Da ich seit letzter Woche schon im Plan hatte, nach Ostern das OEG zu kontaktieren…plus Osterstress, plus Geburtstag meiner verstorbenen Oma gestern, plus Erinnerung und Näherrücken ihres Todestages… bin ich schon das ganze Wochenende wieder äussert instabil…ich habe starke Schwindelanfälle, Sehstörungen und fühl mich mal wieder getrennt von Kopf und Körper.
Ich ärgere mich wahnsinnig, dass ich das absolut nicht im Griff habe mit meinen Symptomen.
Mit der Wohnbetreuung wollte ich heute eigentlich in den Botanischen Garten, aber letztendlich hats nur bis zum Ende meiner Straße gereicht. Wir haben dann umgedreht und ne Stunde im Auto vor meinem Haus gesessen und gequatscht.


7. Juni 2017

Heute habe ich mal wieder in SH angerufen, hatte schon vor Pfingsten das Bedürfnis dazu, dachte jedoch, dass die SB vielleicht im Urlaub ist.
Ist auch so, hatte heute eine Kollegin am Hörer…von Münster ist noch nix da und in SH liegt meine Akte auch beim medizinischen Dienst.
Ich habe darauf hingewiesen, dass es neuere Klinikberichte aus 2016 gibt, die dem Amt noch nicht vorliegen….Sie wird sie jetzt anfordern und auch Münster das mitteilen.
Denn so könnte eventuell ein zeitverzögerndes und vor allem stressiges Gutachten verhindert werden

Meine Verfassung ist derzeit recht stabil, habe sogar letzten Freitag das erste mal seit 1,5 Jahren die Stadtgrenze überschritten…in meinem neuen (alten) Wohnmobil.
Ich war so happy, dass mir gleich die Tränen in die Augen schossen, als wir das anvisierte Ziel in knapp 30KM Entfernung erreicht hatten. So darf es gerne weitergehen…


20.Juli 2017

Die Zeit fliegt, wir haben jetzt Hochsommer und ich bin noch kein bisschen weiter.  Es ist Urlaubszeit, weshalb ich gar nicht erst versuche, in SH anzurufen.
Aber ich schaue jeden Tag in den Briefkasten, ob ein Brief für mich gekommen ist.

Meine Therapeutin geht nach der Sitzung nächste Woche erstmal den ganzen August in wohlverdienten Urlaub, doch bevor sie die Praxis schließt, wird sie die nächste Verlängerung bei der Krankenkasse beantragen…
Sie sagt, sie hat gehört, dass Kollegen aufgrund der neuen Psychotherapierichtlinien schon mehrfach erfolgreich größere Stundenkontingente beantragt und auch genehmigt bekommen haben….Sie möchte das bei meinem Fall auch versuchen und sofort 35 Stunden Verlängerung haben. Sie sagt, wir brauchen mehr Planungssicherheit, bei mir wäre soviel in Bewegung, dass sie es nicht verantworten könnte, wenn wir plötzlich aufhören müssten und dann nur noch absolute Notversorgung in Frage käme.

Derzeit bearbeiten wir grade mein Missverhältnis mit meiner Mutter…und somit auch meine Biographie….und wie mein Verhalten heute auf Überlebensstrategien von damals beruht. Ich bin ein Mensch, der leider alles und jeden verteidigt, dazu muss ich die Menschen nichtmal kennen….Vollkommen unnütz und vor allem vollkommen hirnrissig, ich mach ständig die Anwältin.
Das kommt leider viel zu oft vor und kommt auch nicht immer gut an…aber es fällt schwer, erlerntes Verhalten zu ändern. Aber immerhin bemerke ich jetzt wenigstens schon ab und an mal solche Verhaltensauffälligkeiten an mir.

Meine Therapeutin sagt, für Kinder wie mich wäre das eine Überlebensstrategie gewesen, um nicht am Fehlverhalten der Bezugsmenschen kaputt zu gehen.
Also sie haben Mist gebaut und mir geschadet und ich habe mir „Ausreden“ für sie überlegt, damit mich die Gleichgültigkeit oder Härte oder eben die Übergriffe nicht umbrachten.
Und anscheinend mache ich das bis heute….dadurch haben aber andere immer wieder die Möglichkeit, meine persönlichen Grenzen zu überschreiten, ohne dass ich es merke…und selbst wenn ich es spüre, und sei es auch nur körperlich, weil irgendwas in meinem Inneren die Alarmglocken zumindest leise bimmeln lässt, entschuldige ich das Verhalten des Anderen, indem ich Gründe zu deren Entlastung suche.

Vor 2 Wochen bekam ich unter anderem deswegen die Hausaufgabe, meiner Mutter einen Brief zu schreiben und ihr alles an den Kopf zu werfen, was ich ihr eigentlich schon längst hätte sagen müssen. Nicht, um diesen Brief dann auch an meine Mutter zu schicken, sondern um ihn meiner Therapeutin vorzulesen.
Ich sollte einen richtigen Auskotz-Brief schreiben und auch ruhig mal schimpfen und fluchen und auf Etikette und Höflichkeiten verzichten.
Ich habe mehrere Tage an dem Brief gesessen und oft rumgeschnieft und letztendlich wieder nur ein recht harmloses 8seitiges Pamphlet zustande bekommen, was eigentlich nur zeigt, wie beschissen ich in den vielen Jahren dran war.

Diesen Mittwoch sollte ich den Brief vorlesen…ich hatte gedacht, das würde ich mit ausreichend Abstand können, doch vor lauter Heulerei konnte ich nachher gar nicht mehr richtig vorlesen. Man, was habe ich mich geirrt, wie sehr mich das doch auch als Erwachsene immer noch fertig macht. Wir sind noch nicht fertig mit dem Brief, nächsten Mittwoch muss ich den Rest vorlesen….

Den Bericht für das OEG hat sie schon weggeschickt, war wohl lediglich ein Formular, das meine Diagnosen abfragte.‘

Letzte Woche hatte ich auch meinen Quartalstermin bei meiner Psychiaterin, bei dem ich mir neben den Rezepten dann auch gleich die Entlassungsberichte der LWL aus 2016 kopieren ließ, da mir diese für meine eigene Mappe fehlten.
Es ist schon komisch, wenn ich solche Berichte lese, die über mich geschrieben wurden…
und wie klar wohl meine Störungen zu dem langjährigen SMB und den psychischen Missbrauch passen….mir war das nie bewusst, wie gestört ich eigentlich bin…und wie typisch mein Verhalten ist.

Ich habe dann Frau K. gefragt, weshalb nicht Ärzte in der Lage sind, sowas zu erkennen und anzusprechen bei so eindeutigen Anzeichen. Sie meinte, Gynäkologen würden vielleicht in den letzten 20 Jahren schon drauf geschult…aber es wäre auch schwierig mit dem Ansprechen…Sie hätte öfter mal Patienten, wo sie das vermuten würde, doch es könnte auch richtig nach hinten losgehen, wenn sie nachhaken würde.
Es würde eben oft seine Zeit brauchen (wie bei mir), dass das Opfer selber in der Lage ist, die Wahrheit zu erkennen und auch zu „verkraften“.
Wahrscheinlich hat sie Recht, ich sehe und spüre ja, wie sehr mich das offene Reden und Berichten körperlich und psychisch nochmal on Top so richtig fertiggemacht hat.

Aber ich habe auch Schönes zu verkünden….man gewöhnt sich an alles….und so geht es mir für meine Verhältnisse derzeit wirklich gut. Die Sonne scheint, es ist Sommer…und dank meiner Schildkröte, das Wohnmobil, komme ich endlich wieder mehr vor die Tür.

Mittlerweile haben wir einmal übernachtet an einem See in 20 Km Entfernung und ich habe es schon 2mal geschafft, um diesen See herumzugehen. Zuletzt gestern und ich hab die 3km mit Pausen in 1,5 Stunden geschafft…eine verdammt lange Zeit, die ich von einem sicheren Ort entfernt war. Hinterher bin ich zwar kaputt und erschöpft, aber auch happy und stolz, dass es endlich wieder etwas bergauf geht.

Im Gegenzug steigen aber meine Ängste, was passiert, wenn das Wohnmobil mal kaputt geht und ich die Reparatur nicht bezahlen kann. Ich kann es zwar nicht selber fahren, aber es ist für mich grade das Tor zur Welt…raus aus meinem Gefängnis


01. August 2017

Da ich nun ständig in den Briefkasten schaue, ob Post gekommen ist, manchmal 3mal am Tag, habe ich heute in SH angerufen, um mal zu hören, wie die Lage ist.

Frau W. hat leider keine Neuigkeiten für mich, NRW hat sich bis jetzt noch nicht zurückgemeldet.

Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir beide jetzt jeweils eine Sachstandsanfrage in NRW machen.

Ich habe sie dann auch gefragt, wie es aussieht, wenn die Krankenkasse meine Therapie nicht mehr zahlt, es läuft ja grade der Antrag auf die „letzten“ 35 Stunden.
Mal schaun, letztendlich behandeln sie Therapien genauso wie die Krankenkassen, aber wenn ich es plausibel vermitteln kann, dass die Therapie der Heilung oder der Erhaltung des Ist-Zustandes dient, dann könnte man da vielleicht auch noch ein paar Stunden rausholen.

Seit einer Woche habe ich hier auch ein Buch von Peter Levine liegen, ich lese mich da so etappenweise durch…. und habe die ganze Zeit das Gefühl, als wenn er von mir schreiben würde…über Erstarrung, dass ich nur die Gefühle Angst, Hilflosigkeit und Wut kenne (das erzähle ich anderen schon seit Jahrzehnten), dass ich Schwierigkeiten habe, mich im Hier und Jetzt zu halten und deswegen Probleme mit der Achtsamkeit und dem Halten und Pflegen von sozialen Beziehungen habe.

Mit den Übungen, die in dem Buch stehen, kann ich mich allerdings mal wieder nicht anfreunden, ich schaffe es nichtmal, Übung 1 zu beginnen….da wehrt sich in mir mal wieder was ordentlich dagegen, meinen Status zu verändern. Ich habe aber auch keine Lösung, wie ich dieses Problem auflösen und umgehen kann, obwohl ich mir dessen tagtäglich voll bewusst bin und gerne mit den Übungen starten würde. mennoooo!!


02. August 2017

„Wer redet, dem kann geholfen werden“

Ich habe mich heute entschieden, doch erst nochmal direkt mit NRW zu telefonieren, bevor ich so eine unpersönliche Sachstandsabfrage als „Druckmittel“ einsetze.

Mein zuständiger Sachbearbeiter hat mich dann mit dem Medizinischen Dienst verbunden und nach erneuter Schilderung meiner Situation wurde ich an die leitende Ärztin weitergereicht.
Frau O. , mit einem außergewöhnlichen und vor allem langen Doppelnamen, zeigte sich sehr verständig, da meine Akte seit April in der Medizinischen Abteilung auf Halde liegt, da leider immer wieder andere eiligere Fälle vorgezogen werden müssen.
Sie wird meine Akte jetzt jedoch auch vorziehen, denn sie versteht, dass das Verfahren einfach schon viel zu lange dauert.


21. August 2017

Letzte Nacht habe ich beschlossen, das zweite „dickmachende“ Antidepressivum abzusetzen. Trimipramin ist bekannt für Gewichtszunahme…und wohl auch für Wassereinlagerungen. 20 Kilo Übergewicht habe ich jetzt, Tendenz steigend!

Ich werde es jetzt langsam ausschleichen und hoffe, dass ich auch ohne das Zeug stabil bleibe…und dass langsam wieder die Kilos purzeln…allerdings habe ich massig Angst, dass meine Haut sich nicht zurückbildet und ausgeleiert ist.



06. September 2017

Scheiß Tag… der LWL Münster NRW gesteht mir zwar zu, dass ich Opfer bin, aber da ich unter die Härtefallregelung nach Paragraph 10a falle und in deren Augen keinen GdS von 50 erreichen würde, bin ich nicht versorgungsberechtigt.

Darum gabs heute die Ablehnung.

Sie haben sich nichtmal die Mühe gemacht, überhaupt einen GdS festzustellen…das wäre zu schwer und überhaupt würde eigentlich alles von meinem Beziehungs- und Entwicklungstrauma kommen. Ich habe zwar eine paar psychische Macken, die wohl auf den Missbrauch zurückzuführen sind, aber anscheinend sind die nicht der Rede wert.

Dann gabs noch den Hinweis, dass Schleswig Holstein unabhängig von NRW über die späteren Jahre entscheiden wird, sowie die übliche Widerspruchsfloskel. Bämm!

Tja….so wie es aussieht, werde ich dann demnächst, wenns ganz beschissen für mich laufen sollte, gleich gegen ZWEI Bundesländer und ihre Bescheide Widerspruch einlegen und dann wahrscheinlich auch ZWEI Gerichtsverhandlungen führen dürfen.

Welche Rechtsschutzversicherung oder welche Prozesskostenhilfe wird da mitspielen?
Ich werde demnächst an 2 Fronten Krieg führen dürfen.

Meine Angst ist jetzt riesengroß…
ich glaube nicht, dass SH die „Spendierhosen“ anhaben wird und den späteren Jahren einen gerechten GdS zukommen lässt, wenn sie die Folgen schön bequem auf die Jahre, für die NRW zuständig ist, abwälzen können.

Ich habe heute Rotz und Wasser geheult….


11. September 2017

Nach einer Auszeit am Wochenende mit dem Wohnmobil an der Weser geht’s mir nun wieder etwas besser.

Die 2 Tage nach dem Öffnen des Briefes war ich nur noch im StandBy- Modus…ohne Aktivierung von Aussen blieb ich in der Starre….emotional und auch körperlich…alle Systeme waren auf Notversorgung herunter gefahren…ein wirklich ekelhafter Zustand, der bei vollem Bewusstsein nur schwer zu ertragen ist.

Als meine Wohnbetreuung mich Donnerstags abholte (ich hatte bis dahin noch niemand informiert) , hat sie sofort gesehen, dass es mir nicht gut ging….und als sie mich drauf ansprach, bin ich auch sofort in Tränen ausgebrochen.

Auf ihren Hinweis hin hat meine „alte“ Wohnbetreuung mich heute angerufen und wir haben die weitere Vorgehensweise besprochen. Sie riet mir, mich mit Wildwasser e.V. in Verbindung zu setzen, doch da habe ich telefonisch niemanden erreicht.

Ich habe mir dann die Nummer vom Weissen Ring rausgesucht und der Herr an der Strippe hat mir dann die Nummer von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin gegeben.
Wie sich beim Telefonieren mit ihr dann herausstellte, ist sie Anwältin.
Sie hält nicht viel vom OEG und sagte wortwörtlich: „Was das OEG betrifft, bin ich vollkommen desillusioniert. Das hat sich der Staat was gutes ausgedacht, aber es wurde schlecht umgesetzt.“

Sie war übrigens erstaunt, dass ich nach §10a „bewertet“ werde, obwohl ich auch nach 1976 Opfer desselben Täters war.
Mal schaun, ich habe Ende September einen Termin bei ihr, da wird dann der Widerruf initiiert…und sie will Akteneinsicht anfordern.


27. September 2017

Ganz beschissener Tag heute….

Ich warte seit einer Woche auf die Einschätzung meines Falls durch einen Fachanwalt, der mir in der Facebookgruppe für den Erfahrungsaustausch bzgl. OEG empfohlen wurde.
Nachdem ich ihm meinen Fall telefonisch kurz geschildert hatte, hat er um Zusendung der Ablehnung gebeten, damit er sich mal schlau machen kann.
Ich hab sie ihm geschickt und auch meinen „Lebenslauf“, den ich dem Amt habe zukommen lassen. Da alles so unklar war, hat er erstmal den Widerspruch eingelegt und um Akteneinsicht gebeten.
Deshalb habe ich auch meinen Termin, den ich heute bei der Anwältin gehabt hätte, vorm Wochenende abgesagt.

Klarer Auftrag war : Einschätzung der Erfolgschancen nach Widerspruch….
Der Anwalt war früher auf der „anderen Seite“ in Münster tätig und weiß somit genau, wo die Fallstricke ausgelegt werden.

Und diese Einschätzung habe ich heute bekommen. Und anscheinend nehme ich jeden Fallstrick mit, den es nur geben kann.
Ich konnte mittags erst einen Teil auf dem Handy laut lesen ( mein Freund hörte zu), da mittendrin, wie verabredet, meine Wohnbetreuung zum Einkaufen kam. Sie hat sofort an meinem Gesicht gesehen, dass was nicht stimmt, als ich zur Haustür rauskam und auf ihr Auto zuging.
Während des Einkaufs bei LIDL gings natürlich nur um diese Mail….ich hab unkonzentriert dieses und jenes in den Einkaufswagen geschmissen.

Als ich zurück nach Hause kam, war mein Freund schon so nett gewesen und hat das ganze Schreiben für mich ausgedruckt….und ich habe es dann weiter vorgelesen.

Der Anwalt hatte sich schon beim Telefonat gewundert, weshalb ich von beiden Ämtern „anerkannt“ werde als Opfer von Straftaten….und heute hat er mir in der Mail unmissverständlich klar gemacht, dass er meine Glaubhaftigkeit nach „deren“ Kriterien angezweifelt hätte….und dass ein Richter diese ebenfalls anzweifeln könnte und mich höchstwahrscheinlich ein Glaubwürdigkeitsgutachten erwarten, bzw. das Gericht eigene Rückschlüsse auf meine Einlassungen ziehen würde.

Da ich mich aber schon jetzt in verschiedenen Punkten widersprechen würde, ist der Ausgang ungewiss, bzw. zu erwarten, dass gegen mich entschieden wird.
Ich habe nach seiner Ansicht unterschiedliche Angaben gemacht in Antrag 2015, in der schriftl. Auskunft nach Aufforderung vom Versorgungsamt im Januar 2016 und in meinem etwas später verfassten Lebenslauf im Februar 2016….

Desweiteren ist er der Ansicht, dass es korrekt ist, dass NRW für die Fälle separat entscheiden darf, da der SMB durch den Großonkel nicht zum innerfamiliären Missbrauch gezählt würde vom Gesetz. ER war kein Elternteil und gehörte nicht zur Kernfamilie….und wir hätten auch nicht in einem Haushalt gelebt…somit wäre nach dem Gesetz  ALLES an Übergriffen EINZELN zu bewerten.
Darum wäre §10a korrekt angewandt.

Ausserdem hält er es ebenfalls für schwierig bis unmöglich, den GdS in Hinblick auf meine Biografie zu bestimmen. Aber das wäre eh hinfällig, weil mir die Beweisbarkeit der Taten schon das Genick brechen würde.
Also das hat er so nicht geschrieben, ich gebs mal salopp mit meinen eigenen Worten wieder, das Schreiben ist nämlich mehrere Seiten lang.

Tja…was mache ich jetzt?
Ich hatte letzte Woche noch gesagt, wenn der Anwalt meine Chancen schlecht einschätzt, werde ich seinem Rat folgen und die Dinge auf sich beruhen lassen.
Aber heute stehe ich da, fühle mich ungerecht behandelt…ja schlimmer noch…meine Glaubwürdigkeit wird in Frage gestellt (von dem Anwalt)

Ich fühle mich wie durch den Fleischwolf gedreht…mein Kiefer und meine Zähne schmerzen seitdem ich die Mail gelesen habe, ich habe pochende Rückenschmerzen, die die Wirbelsäule bis zum Nacken hochziehen…
Ich habe heute mehrere schwere Heulattacken gehabt, aber…oh Wunder…auch beim Reden „Darüber“ mit meinem Freund bin ich nicht in die Schreidissoziation gefallen, obwohl ein paar mal innen in mir der Impuls, mich zu „verabschieden“ sehr stark war.
Ich denke, das habe ich unter anderem dem Naltrexon zu verdanken…vor einem Jahr hätte mein Freund mich sofort wieder in die Klinik verfrachten können zur Krisenintervention.

Ich habe mich heute definitiv besser im Griff als noch vor einem Jahr. Allein das ist schon ein Fortschritt für mich.

Trotzdem ändert das nichts daran, dass ich jetzt eine Entscheidung von immenser Tragweite für mich treffen muss.

Mein Freund möchte, dass ich mich an meine eigene Bedingung halte, die ich festgelegt hatte vor der Einschätzung des Anwaltes.
Rückzug, wenn der Anwalt die Chancen als schlecht bewertet.

Er meint, ich habe viel erreicht, mehr als ich erhofft habe, weil ich immer wusste, dass meine Chancen schlecht stehen auf Anerkennung…da ich eben keine Beweise habe für den SMB.
Beide Ämter hätten mich anerkannt, das wäre mehr, als Andere geschafft hätten. Sie haben mir geglaubt, dass ich Opfer bin.
Ich soll mich damit zufrieden geben und an meine Gesundheit denken und mein Leben nicht weiter von dem SMB und zu erwartenden Konflikten mit dem LWL und dem anstehenden Stress bei Gerichtsverhandlungen diktieren lassen. Und das Ganze dann auch noch über einen Zeitraum von mehreren Jahren..im schlimmsten Fall würde ich mich mit 60 noch mit den Ämtern streiten.

Mein Freund meint es gut und ich weiß, er hat recht….und trotzdem fühle ich mich schrecklich, ungerecht und unfair behandelt, nicht ernstgenommen….also wie immer, wenns um meine Rechte als Mensch geht.
Ich habe halt (wie immer) Pech, wenns um meine persönliche Integrität und Unversehrtheit geht.

Frage ist nun: Kann ich damit leben?

Zu der anwaltlichen Einschätzung und der Bewertung dessen, was ich bisher zu Papier gebracht habe bzgl. des SMB, hätte ich eine Menge zu sagen.
Ich habe mich nicht widersprochen…ich rede nur von verschiedenen Dingen, die mir wiederfahren sind. Es ist eben das erste Mal überhaupt, dass ich mich zu den Dingen, die vor langer Zeit passiert sind, äussere.

Und diese Dinge erzählte ich so, wie sie mir in den Kopf kamen…niemand hat mich systematisch befragt, nachgehakt oder zeitliche Abläufe nochmal hinterfragt….
Ich habe mit Weinen, Hyperventilieren, Zittern und Verkrampfen erst meiner Wohnbetreuung für die Beantragung von OEG einiges, wo ich dachte, es ist relevant, erzählt. Ich habe erzählt, sie hat versucht, mitzuschreiben und gleichzeitig mich ruhig zu halten….und ich habe nicht Korrektur gelesen und den Umschlag einfach zu den Antragsformularen dazu gepackt.

Das Gleiche ist ein Jahr später, wo ich mich auf Aufforderung durch das Versorgungsamt nochmals genauer zu Tathergang und Zeiten äussern sollte, während der Krisenintervention in der Klinik mit einer jungen Therapeutin gelaufen…
Ich habe erzählt geweint, gejammert gekrampft, sie hat Notizen gemacht und gleichzeitig versucht, mich im Hier und Jetzt zu halten… und mir bei Entlassung einen verschlossenen Umschlag mitgegeben, den ich ungeöffnet an das Amt weitergeleitet habe.

Meine Glaubwürdigkeit gerät jetzt deswegen ins Wanken? Kann ich das akzeptieren?
in mir sträubt sich alles, das so hinzunehmen.

Nächster Punkt ist, dass ES nicht als innerfamiliärer Missbrauch angesehen wird.
ER ist rechtlich gesehen, bis 1974/75 der Lebensgefährte der Schwester meiner Oma gewesen. Nach der Adoption durch meine Oma ist sie rechtlich zu meiner Mutter und der Täter somit zum „Onkel“ als Lebensgefährte meiner „Tante“ aufgestiegen.
Für mich und alle anderen gehörte er zur Familie…die lebten fest zusammen, sie haben an allen Familienfeiern zusammen teilgenommen….Er ist der Mann in der Familie, der für mich die einzige feste männliche Bezugsperson neben meinem Vater war. Wobei mein Vater und auch mein Opa wirklich Nebenrollen in meinem Leben hatten.
Er hat mir beigebracht, wie man die Uhr liest und wie man die Schnürsenkel zubindet.
Er war mein Betreuer, wenn Betreuung notwendig war…er bekam kein Geld dafür.
Die Betreuung war auch nicht stundenweise, sondern fand immer in deren Haushalt statt mit Übernachtung…Tageweise, Wochenweise….in den Ferien oder wenn ich krank war und nicht in die Schule/Kindergarten konnte.
Ich habe sehr viele Fotos von ihm in den Alben…er war sehr präsent in meinem Leben.
Und die Taten sind immer und immer wieder nach dem gleichen Schema abgelaufen…im Rahmen dieser Betreuung.
Es ist mir nicht möglich, diese Taten zeitlich aufzudröseln…das schaffe ich nur für 4 Taten, die sich eben von den anderen unterschieden…und selbst da kann ich bis auf die (meines Erachtens) letzte Tat keinen genauen Zeitpunkt festlegen.

Denn auch wenn nach der letzten (durch mich selbst vereitelten) Tat, soweit ich mich erinnern kann, keine weiteren Übergriffe mehr erfolgt sein sollten….Für mich war das nicht klar, wenn ich zukünftig diesem Mann begegnete….für mich war in dem Moment die Gefahr präsent, ich konnte nicht wissen, ob er sich an dem Tag an mir vergreifen wird oder nicht. Dementsprechend war jedes Treffen auch weiterhin Angstbesetzt und ich habe alle meine begrenzten Möglichkeiten eingesetzt, um mich vor dem eventuell kommenden SMB zu bewahren.

Und wenn dieser Mann auch dem Gesetz nach nicht zur Kernfamilie gehörte…für den Rest der Familie zählte er dazu….denn nur so konnte meine Oma mich Jahre später zum Schweigen bringen, dass ich die FAMILIE zerstören würde, wenn ich den Missbrauch zur Anzeige brächte.

Nächste Frage, die sich mir stellt…Was ist, wenn sich das OEG aufgrund von den angekündigten Gesetzesänderungen auch zugunsten der Opfer ändern könnte, die bisher durchs Raster gefallen sind? Wenn sich zukünftig Bewertungsparameter ändern?
Wenn ich mich jetzt nicht zur Wehr setze und die Ablehnung meines Antrages akzeptiere…akzeptiere ich die dann für immer? Oder kann das Verfahren später nochmal eröffnet werden bei Gesetzesänderungen?

Ich habe keine Ahnung, was ich tun soll….eine Entscheidung ist fällig, aber wie soll die aussehen?
Vorhin lief ein Film mit Didi Hallervorden…“Sein letztes Rennen“

„Weiterlaufen…Immer weiterlaufen…
Wer stehenbleibt, hat schon verloren!“

Was soll ich tun?
Ich habe nur noch knapp 35 Therapiestunden, dann ist mein Budget ausgeschöpft…Der Fond dauert noch mehr als 13 Monate, bis die überhaupt meinen Antrag bearbeiten.

Mein Freund  sagte es heute sehr treffend: „Du versuchst seit Jahren, Deine Krankheit zu verstehen und auch anderen mit deinem Blog zu helfen.
Nur Du hast Dich noch nie mit der Ursache Deiner Erkrankung beschäftigt.“

Soviele meiner körperlichen Probleme  sind Symptome des SMB….das hat meine Psychiaterin letzten Freitag grade erst wieder für mich total unvorbereitet gesagt, als ich davon sprach, dass meine Haut weiterhin taub ist und besonders die DangerZone nicht zu mir gehört und ich weiterhin es grade so kurz vor knapp schaffe, rechtzeitig die Toilette aufzusuchen, wenn ich Pipi muss….Ich spüre die Blase nicht…ich spüre auch nicht, wenn ich fertig bin….da ist alles taub….
All diese Dinge waren mir aber nie bewusst, weil ich sie ignorieren musste, weil ich mir sonst hätte eingestehen müssen, dass ich OPFER bin…so habe ich mich nie gesehen, da es ja anscheinend jeder für normal hielt und hält, was mir passiert ist und selbst meine Oma hat lieber weggesehen.

Ich brauche meine Therapeuten, um an meinem Umgang mit dem SMB weiter arbeiten zu können….JETZT mehr denn je!!!!


3. November 2017

In den letzten Wochen hat sich einiges getan.

Der Anwalt hat die Widerspruchsbegründung für mich fertig gemacht und abgeschickt.
ich habe damit ordentlich Bauchschmerzen, denn der MB von 74-ca77 ist komplett unter den Tisch gefallen.
Die Therapeutin in der Klinik hat beim Aufschreiben der Taten einige gravierende Fehler begangen, die sich jetzt nicht ohne weiteres korrigieren lassen, ohne dass dann höchwahrscheinlich alles in Frage gestellt werden würde vom OEG. Und der Wisch von der Therapeutin ist nunmal derzeit die Basis, dass mir geglaubt wurde.
Es fühlt sich schrecklich an, dass die ca. 3 Jahre Missbrauch jetzt stillschweigend übergangen werden müssen, doch ich folge da besser dem Rat meines Anwalts.
Er ist der Profi.

Ich habe auch den WeißenRing kontaktiert und der Aussendienstler hat sowohl mit dem Anwalt und auch dem LWL Münster gesprochen, wie der aktuelle Stand ist.
Dann hat er bei mir einen Hausbesuch gemacht, mich darüber informiert, dass wohl Frau. S von Münster gesagt habe, mein Anwalt wäre genau der Richtige für meinen Fall.
Es kann nicht sein, dass ich in einem Bundesland nach 10a und im anderen nach §1  OEG bewertet werde. Das wäre unmöglich, den GdS auf die Bundesländer zu splitten und dann auch die Leistungen darauf zu „Verteilen“.

Herr D. vom WR hat den Antrag auf Kostenübernahme fertiggemacht und in der Hauptstelle auf Dringlichkeit hingewiesen.

Von Münster habe ich nun letzte Woche eine Aufforderung bekommen, mich einem Gesundheitsgutachten zu stellen…ausgerechnet in Bielefeld.
Allerdings ist die Gutachterin in 30 Kilometern Entfernung….wo eine Strecke gefahren werden muss, die mich extremst triggert. Eigentlich triggert der ganze Ort, doch diese Strecke ist „schuld“, dass ich selber gar keinen PKW mehr alleine fahren kann….
Und da ich seit 2 Jahren meine Komfortzone und Stadtgrenze im PKW überhaupt nicht überschreiten kann…dafür haben wir ja das Wohnmobil gekauft…und selbst das ist Stress….befürchte ich, dass die Kombination PKW/ Triggerstrecke/ Gutachtertermin für mich unüberwindbar sein wird.

Die Gutachterin ist telefonisch nicht zu erreichen von normal Sterblichen, weswegen ich letzten Freitag schon Münster kontaktiert habe. Münster wollte sich selber kümmern, was sie auch getan haben…die Gutachterin lehnt Hausbesuche ab.
Gestern habe ich deswegen eine andere Ärztin des LWL Münster an der Strippe gehabt, die erstmal noch genauer wissen wollte, wo mein Problem liegt. Alternativ bot sie mir eine Gutachterin an, die von mir aus noch weiter weg ist …hahaha.

Heute hat sie mich wieder kontaktiert…Sie wird die Begutachtung nun selber vornehmen am 27.11. bei mir zuhause.

Das Gutachten ist übrigens keine Reaktion auf meinen Widerspruch zu der Ablehnung aus Münster. Nee, das Gutachten wurde angefordert von Schleswig Holstein und Münster um Amtsbeihilfe gebeten.


8. November 2017

Jubel….der Weiße Ring übernimmt meine Kosten im Rechtsstreit gegen den LWL Münster.
Als ich heute vormittag von der Therapie nach Hause kam, lag der Brief im Briefkasten.
Bis ich das Ergebnis lesen konnte, habe ich innerlich nur gebetet und gebettelt, dass es keine Ablehnung ist….dann bin ich hoch in die Wohnung und in  Tränen ausgebrochen, dass mir geholfen wird.



16. November 2017

So, nun bin ich 50 und auf meinem Geburtstag hat mich meine Schwester angerufen.
Nach fast 10 Jahren das erste Lebenszeichen, dass es auch noch Familie gibt.
Wir haben heute 3 Stunden telefoniert und ich habe meine ganze Biografie in diese 3 Stunden gestopft…mit allem Zipp und Zapp…Wer weiß, wann und ob ich nochmal die Gelegenheit dazu habe.
Die schlimmste Erkenntnis in diesem Gespräch, ER hat auch meine Schwester begrapscht. Nicht so wie mich, aber er konnte seine Drecksfinger auch von ihr nicht lassen.
Jetzt tobt in mir Krieg: Warum habe ich ihn nicht angezeigt mit 16? Warum habe ich meinen Mund nicht aufgemacht? Hätte ich meine Schwester damit beschützen können?
Hätte meine Schwester dann auch was gesagt und mir geholfen?
All diese Möglichkeiten und Varianten spiele ich in meinem Kopf jetzt hoch und runter….und ich weiß, ich werde zu keinem Ergebnis kommen, was meine Seele beruhigen könnte.


27. November 2017

Heute vormittag war die Gutachterin da. Meine Wohnbetreuung war die ganze Zeit dabei.

Von kurz nach 9 bis 11:30 gabs hier das Rede-Antwort- Spiel. Es war sehr anstrengend und es bleibt abzuwarten, was dabei rauskommt.
Die Dame war sehr einfühlsam und zurückhaltend, musste aber natürlich auch ihrem Auftrag nachkommen und bestimmte Fragen stellen, um die Taten in NRW und SH auseinanderzudividieren, bzw. deren Folgen.

Ich war trotzdem am Ende…


04. Dezember 2017

Mich hat das Gutachten derartig mitgenommen, dass meine körperliche und psychische Verfassung wieder auf absoluter Talfahrt ist.
Mir tut alles weh, bin nur noch müde, schlafe nachts nicht, dafür liege ich bis mittags im Bett…bekomm nix gebacken…habe schon die Betreuung reduziert.
Meine Angst alleine zuhause verstärkt sich grade auch wieder….
wahrscheinlich werde ich jetzt an meine Restbestände Nortrilen rangehen müssen, damit es mich nicht in die Klinik bringt.


06. März 2018

Merry Christmas und Happy New Year…

Ostern steht vor der Tür und heute ist wohl der Tag für schlechte Nachrichten.
Am Telefon habe ich heute Mittag von meiner Freundin erfahren, dass ihre 17jährige Nichte auf der Intensivstation in Hannover liegt und sterben wird. Es ist hart zu hören, dass ein junges Leben so schnell ausgelöscht werden kann….und natürlich denke ich an meinen Sohn und bin unendlich dankbar, dass ich nicht an der Stelle von Alinas Mama bin. Ich weiß nicht, wo ich noch die Stärke hernehmen könnte für so einen Schicksalsschlag.
Kinder sollten einfach nicht vor ihren Eltern gehen müssen…

Heute Abend hatte ich dann noch eine Mail von meinem Anwalt im Postkasten….
NRW hat den Widerspruch vom SEPTEMBER jetzt seiner Rechtsabteilung übergeben. Solange lag der Kram in der Medizinischen Abteilung.
Mein Anwalt hatte auf meinen Hinweis hin vor einem knappen Monat mal nachgehakt, wie der Stand ist…3 Monate Bearbeitungszeit waren da schon überschritten.

Also warten wir dann jetzt mal auf die Ablehnung des Widerspruchs, damit wir den Weg der Klage beschreiten können.

Von Schleswig Holstein höre ich gar nix…ich weiß noch nichtmal, ob die mittlerweile das Gutachten auf dem Tisch liegen haben. Aber auch da bin ich auf das Schlimmste eingestellt…die Länder wollen einfach nicht für ihre Opfer zahlen. Und es ist ihnen piepegal, ob die Opfer durch die Verfahrensweise noch mehr leiden…Hier wird mehr neues Leid angezündet als gelöscht.
Von der Reformierung des OEGS in 2 Jahren erwarte ich auch nicht viel…zumindest nicht für unsereins mit dem §10a an der Backe.

Meine Schwester war vor ein paar Wochen das zweite mal zu Besuch bei mir…diesesmal war es für mich schon etwas besser auszuhalten….wir haben wieder einiges an Bildern angeschaut, sie selber hatte auch 2 Fotobücher von ihrem Leben mit.